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Im Laufe des Sommers 1916 richtete der Nationale Frauendienft unter
finanzieller Beihilfe der Wohlfahrtzentrale 2 [ogen.— Koftftuben— Sdiudiard-
|traße 16 und Berlinerftraße 10b, ein. Zur Einbürgerung bisher wenig bekannter
Nahrungsmittel, welche zur Streckung der Vorräte dienen follen, werden
in den Koftftuben Kriegsgerichte verabreicht, z. B. von Mufchelfleifch, De-
De-Fleifch, (Doppel-Dauerfleifch), Schollen, Schollenfuppe, Suppen und Bei
guß ohne Fett, Polenta, Kartoffel- und Steckrübenfalat ohne Oel, Wildge-
müfe ufw. Der Einheitspreis für die Portion beträgt 20 Pfg. Als im Winter
mit den Kartoffelvorräten fparfam gewirtfchaftet werden mußte, wurden
Wodienkarten zum Preife von 3 Mark für je 6 Mittag- und Abendeffen
ausgegeben und ein entfprechender Teil der Kartoffelkarte entwertet. An
die Inhaber diefer Karten wurden je 3 Portionen auf eine Mahlzeit, nämlidi
ein großer Teller Suppe und eine Doppelportion Gemüfe, ausgegeben. Die
Kodivorfchriften werden koftenlos abgegeben, und die praktifdie Zube
reitung der Speifen den Koftftubenbefucherinnen an einem oder zwei Nadi-
mittagen wöchentlich im Tagesheim unentgeltlich gelehrt. Die tatfädiliche
Zahl der Befucher, weldie fidh aus Arbeitern, dem Mittelftande, fowie audi
aus Urlaubern, welche in den Stadtküchen, der Wochenkarten wegen, kein
E|fen erhalten, rekrutieren, beträgt in der einzelnen Koftftube 300 —350
täglich. Sie ftieg inde|fen in Zeiten befonderer Lebensmittelknappheit bis
auf 500. Seit ihrer Einrichtung, wurden die Ko|tftuben insgefamt von
126000 Perfonen befudit, welche 261720 Portionen verzehrten. Die
Koftftuben find an Wodhentagen von 11 — 1 und 5—T'/a Uhr geöffnet
und erhalten fich jeßt felbft. Die Bedienung der Gäfte erfolgt ausfchließlich
durch ehrenamtlidie Kräfte.
Die Wohlfahrtzentrale übernahm audr die Einrichtung der Kiicße für
die internierten mittellofen Ausländer in dem Afyl für Obdadilofe. Sie
beforgte den Einkauf der dafür benötigten Lebensmittel und überwadite
den Küdienbetrieb. Von den feinerzeit internierten 150 mittellofen Aus
ländern hat fidi jet?t die größte Zahl, weil inzwifdien an Straßenreinigungs-
und Kanalarbeiten befdiäftigt, felbft zu beköftigen. Gefpeift wurden bis
zum September 1916 nodi 350 Perfonen. Mit Herbft ging die betreffende
Küche in Privathände über.
Kinderspeisung.
Mit Rückficht auf ehe außerordentliche Bedeutung der guten Ernäh
rung der Kinder im fchulpflichtigen Alter, laffen fidi die Stadtküchen ins-
befondere die Verpflegung jolcher Volksfchulkinder angelegen fein, welche
durch die Rektoren, unter Mitwirkung des Schularztes und der Schulfchwefter,