102 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. —[1560
Hertzka, Die Valutafrage. 1875. — Ders., Währung und Handel. 1876. — Bolles, Financial history
of the United States. 8 vols. 1886. — Kramär, Das Papiergeld in Hsterreich seit 1848. 1886. —
Ders., Russische Valutareform. 1897. — Menger, Übergang zur Goldwährung. 1892. — Denk—
schrift über das Papiergeldwesen der ung-österr. Monarchie. Verf. im Finanzministerium. 1892. —
Lexis, Papiergeld. H.W. VI. 2. Aufl. 1901. — Uisunomtya, Die Warenpreisbewegung in
Japan seit dem Jahr 1875. 1897. — G. Bunazel, Das moderne Geld- und Kreditwesen. Zeitsch.
f. V.W. Soc.pol. 7. 1898.
170. Begriff des Wertes überhaupt. Wir haben in den beiden letzten
Abschnitten den Mechanismus, die rechtlichen und wirtschaftlichen Institutionen ge—
schildert, auf denen Handel und Verkehr beruhen. Wir haben jetzt das überall im
bisherigen vorausgesetzte und gestreifte innerste Triebrad desselben, die nächstliegende
Ursache des wirtschaftlichen Handelns überhaupt, den Wert zu untersuchen.
Der Wert ist eine allgemein unser ganzes Seelenleben begleitende, all' unser
Handeln beherrschende Erscheinung. An jede Vorstellung, an jeden Eindruck knüpfen
sich gewisse Gefühle der Lust und Unlust, der Billigung und Mißbilligung an, die bei
einer gewissen Stärke zum Bewußtsein kommen. Diese Gefühle deuten das für das
körperliche und geistige, individuelle und gesellschaftliche Wohlbefinden Förderliche oder
Hemmende an (18 11, S. 20-22). Es sind die Wertgefühle, die entsprechend dem
Gesamtzustand des vorstellenden und fühlenden Wesens sich auslösen, je nach ihrer
Stärke und ihrer Fähigkeit, andere Vorstellungen und Gefühle zu verdrängen, den Vor—⸗
stellungsverlauf und das Handeln beherrschen, das Begehren erzeugen, je nach Erinnerung,
ordnendem Denken, klarem Kausalverständnis zu Werturteilen werden. Das Wertgefühl
giebt eine dunkle Direktive, das Werturteil sagt klar: das fördert dich, das schadet dir
oder der Gesellschaft aus dem und dem Grunde. Das Lebensförderliche erscheint „wert“,
das Lebensschädliche „unwert“. Alle Gefühlsthätigkeit hat Werte zum Ergebnis. Diese
Ergebnisse können irren, sie werden von allen normalen und anormalen Ursachen des
Seelenlebens beeinflußt; aber je gesunder und tüchtiger wir sind, je richtiger wir die
Zusammenhänge von Ursache und Wirkung überblicken, je höher und reiner unser
gesamtes Urteil steht, desto richtiger leitet uns das zum Werturteil gewordene Wert—
gefühl.
Stets handelt es sich dabei um einen komplizierten Vorgang der Seele, um ein
Abwägen von Nutzen und Schaden, von Vorteil und Opfer, um ein vibrierendes
Schwanken, Wählen, Taxieren und Ordnen; denn die Vorstellung, die ein Wertgefühl
erzeugt, setzt sfich mit anderen neben ihr vorhandenen Vorstellungen, das eine Gefühl
mit anderen widerstreitenden, auseinander; eine Reihe von Zwecken und meist für jeden
Zweck eine Reihe von Mitteln stehen vor unserer Seele; unser Wertgefühl sagt: aus
dieser Mehrzahl von Möglichkeiten, Zwecken, Gütern und Handlungen ist im Augen—
blick, ist morgen oder zukünftig, ist in dem oder jenem Zusammenhang dies zu wählen,
zu bevorzugen. Wert stammt vom mittelhochdeutschen „var“, wählen; das Werte
ist das von uns Auserwählte. Jedes Wertgefühl und jedes Werturteil schließt so eine
Wertordnung von mehrerem Möglichen und Verglichenen ein. Alle Wertgefühle und
rurteile knüpfen neben der momentanen Erregung von Lust- und Unlust-, Billigungs—
oder Mißbilligungsgefühlen an die Erinnerung und den ganzen Schatz früherer Gefühle
und vorhandener Urteile an, basieren so auf einem in der Erinnerung bereits vor—⸗
handenen Maßstab. Oder anders ausgedrückt: alle Wertung, so sehr sie zunächst einen
subjektiven Ausgangspunkt hat, beruht darauf, daß das Individuum das Gewertete
und Begehrte sich vergegenständlicht, als ein außer ihm Vorhandenes betrachtet, es mit
anderem vergleicht, in seinem Zusammenhang fieht. Damit wird das Gewertete für
ihn ein Objektives, durch Ideale und Normen Geordnetes. Eben deshalb werden die
Werte sofort von der Seele in die Dinge hinein verlegt. Es entsteht die Vorstellung
des vom Subjekt unabhängigen Normalwertes, als dem Festen, von dem die augen—
blickliche subjektive Wertung wohl abweichen, aber nicht sich losmachen kann. Die
Maßstäbe, welche diese Ordnung alles Wertes beherrschen, sind nicht bloß aus subjektiven
Erlebnissen erwachsen, obwohl schon diese das einzelne Werturteil durch Erinnerung in