687)] Das Notenbankwesen der übrigen Staaten. Der Sieg der Centralbanken. 229
geschäften und allen von den Staaten konzessionierten die Notenausgabe durch eine
hohe Steuer von 100/0 fast unmöglich. Die neuen National-Banken dürfen heute nur
eine im Verhältnis zum Aktienkapital bestimmte Notenmenge ausgeben; sie müssen
50/0 ihrer Roten bar und daneben Unionsbonds (von nicht weniger als 4 des
Aktienkapitals, mindestens aber 560000 Dollar) beim Staatsschatz deponieren,
sie dürfen nur 9009/0 dieses Depots als Noten ausgeben, müssen */2 9/0 Steuer vom
Notenumlauf zahlen, ihre gleichmäßigen Notenformulare von dem „Comptroller“ der
Währung in Empfang nehmen. Die Folge war, daß der Notenumlauf immer mehr
abnahm, alle Banken immer mehr das Depositen- und Checkgeschäft ausbildeten. Der
mäßige Notenumlauf hörte fast auf, dem Kredit zu dienen, er wurde ein Bestandteil der
im übrigen aus staatlichem Papiergeld u. s. w. bestehenden Papiercirkulation. Große
Krisen wurden dadurch nicht gehindert; in der Krisis von 1893 hörten 100 National-
banken, 172 Staatenbanken, 177 private Banken auf zu existieren. Das Unionsschatzamt
löst alle Nationalbanknoten ein, hat dazu Depots von den Banken, kauft und verkauft
Bundesschuldscheine, nimmt am Clearingverkehr teil; die Geldreserve des Schatzamts
beherrscht den Geldmarkt; das Schatzamt ist zu einer Art Unionscentralbank geworden,
aber doch ohne den Einfluß auf den Diskont wie eine Centralbank, ohne eine Elastieität
der Mittel, wie sie die europäischen Centralbanken besitzen. Seit 1894 sieht man die
Unhaltbarkeit des Systems ein, ist aber noch nicht zu einer ausgiebigen Reform ge—
kommen. Denn die 1900 durch das Währungsgesetz gegebene Erleichterung der Gründung
von kleinen Nationalbanken mit Notenumlauf hat zwar in einem Jahre nicht weniger
als 563 Banken in Orten mit unter 6000 Seelen geschaffen, den Notenumlauf sehr
vermehrt, die Geschäftsthätigkeit künstlich gesteigert, aber die Grundmängel, das Fehlen
einer großen elastischen Centralnotenbank nicht beseitigt.
Trotz aller Verschiedenheit zeigen diese kurzen summarischen Nachrichten über die
Notenbankentwickelung der wichtigsten Kulturländer den oben erwähnten überein—
stimmenden Grundzug: allerwärts fiegen die großen Centralbanken, gehen die kleinen
Notenbanken zurück oder verschwinden. Dazu hat viel mitgewirkt: die Unzufriedenheit
des Publikums mit einer Uberzahl verschiedener kleiner Roten, die schwer zu prüfen
sind, das geringere Vertrauen, das fast alle kleinen Notenbanken genossen, die leichtere
und leichtsinnigere Notenausgabe und Kreditgebung der meisten kleineren konkurrierenden
Banken, ferner die mangelnden kürzeren, seltneren öffentlichen Geschäftsberichte der
kleinen Banken, endlich der Zug zum Großbetrieb mit all' seinen Ursachen, seiner
Kostensparung überhaupt. Das Entscheidende war aber doch überall die Gesetzgebung,
welche mit ihren Schranken den kleinen Banken zu unbequem wurde, die großen Central⸗
banken beförderte oder erzwang. Und die Motive für dieselbe lag stets in dem Zu—
jammenhang der Notencixkulation mit den volkswirischaftlichen und staatlichen Gesamt⸗
interefsen, deren Durchführung nur in den Händen einer Centralbank garantiert schien.
Die Aufrechterhaltung der Landeswährung, der geregelten guten Münzeirkulation, die
richtige Einwirkung auf die Edelmetallaus- und einfuhr, die Herstellung einer stets
genügenden Edelmetallreserve für alle anderen Banken, für die Staatsregierung und
die ganze Volkswirtschaft, all' das kann nur einer großen centralen Noten— und Diskonto⸗
bank, gelingen; nur eine solche kann eine Diskontopolitik großen Stils betreiben und
damit alles kaufmännische Kreditgeben, alle nationale Produktion von dem höheren
Standpunkte der gesamten Volkswirtschaft und des Staatswohls aus richtig leiten.
Eine solche Centralbank hört, wie auch ihre Verfassung sei, durch die Natur der Sache
auf, ausschließlich oder in erster Linie Gewinne machen zu wollen; sie wird ein öffent⸗
iches Institut, sie wird das wichtigste Organ der ganzen Volkswirtschaft, das, welches
allein oder hauptsächlich die akuten Krisen beschwören und verhindern kann.
Wenn sonach heute für die kapitalreichen und vorgeschrittensten Völker eine
Centralisation des Noienbankwesens das Richtige, ja etwas Unentbehrliches ist, so war
s doch nicht falsch, auf Stufen niederer volkswirtschaftlicher Entwickelüung und geringeren
Reichtums mit einer Decentralisation des Notenwesens und einer gewissen Notenfreiheit
zu beginnen, da die Entstehung eines Bankwesens überhaupt hierdurch wesentlich ge⸗