751) Schwierigkeit der Lohnuntersuchung. Berechnung in Getreide. 293
Die gesamten Unterhaltskosten eines Ackerknechtes nehmen die wissenschaftlichen
Landwirte des 19. Jahrhunderts auf Grund sehr zahlreicher Beobachtungen und
Durchschnitte zu 1600 bis 28500 Pfund Roggen (800 — 1250 Kilogramm) an. Als
Familienbedarf werden von denselben Gewährsmännern, in Weizen ausgedrückt, 8800 —
3600 Pfund (1900 — 3300 Kilogramm) angegeben. Nimmt man heute als jährlichen
wirklichen Cerealienkonsum 250 Kilogramm für den wesentlich von Getreideprodukten
lebenden Erwachsenen an, so giebt das gut bemessen für die Familie von zwei Er—
wachsenen und zwei bis drei Kindern und jungen Leuten etwa 1000 Kilogramm; man
wird nicht fehl gehen, wenn man den Cerealienkonsum dieser Kreise einem Drittel bis
Fünftel der nötigen Gesamtausgaben gleichsetzt; diese wären also auf etwa 7850 —1250
Kilogramm für die Person, auf etwa 3000-5000 Kilogramm für die Familie anzufetzen;
das giebt einen Wochenbedarf von 14,6—24 Kilogramm für den Mann, 57,7 —96 Kilo—
gramm für die Familie. Man wird vielleicht sagen können, was auch mit den empirisch
festgestellten, unten folgenden Zahlen übereinstimmt, daß ein Wochenverdienst, der unter
15— 24 Kilogramm Cerealien steht, kaum ausreichend für die einzelne Person, jedenfalls
ein Hungerlohn für die Familie, ein Lohn von 50—60 Kilogramm für letztere immer
noch dürftig, ein solcher von 90—120 Kilogramm ausreichend, von 200 Kilogramm
und mehr aber sehr auskömmlich sei.
So roh und schematisch diese Annahmen und Zahlen sind, so sehr sie im einzelnen
durch die Verschiedenheit des Konsums und der Bedürfnisse, durch die verschiedene
Preishöhe von Getreide, Kartoffeln, Fleisch, Wohnung und Kleidern modifiziert werden,
jo geben sie doch für historische und geographische Vergleichungen den ungefähren not—
wendigen Anhalt. Es giebt keine Ware, deren Einkauf für den Arbeiter unserer
Kulturstaaten und seinen Unterhalt wichtiger wäre, deren Preis zugleich so weitgehend
die Höhe seiner Lebenshaltung bestimmte. Und zahlreiche empirisch-hiftorische Einzel—
untersuchungen beweisen, daß die Skala von 16, 60, 120 und 200 Kilogramm Getreide
als wöchentliche Kaufkraft des Arbeiters früher wie heute die thatsächlich vorkommenden
Verschiedenheiten der Lebenslage im ganzen richtig kennzeichnei.
Für England haben wir in den Untersuchungen von Rogers, Cunningham,
Hewins, Toynbee, Arthur Young und den neueren Statistikern eine relativ leidliche
Brundlage der Untersuchung. Wir können annehmen, daß die nicht zahlreichen Arbeiter
im 13. Jahrhundert wöchentlich etwa 85 Kilogramm, nach der großen Pest und dem
durch sie erzeugten Menschenmangel von 1840 — 1850 60 — 80 Kilogramm Weizen
verdienten, und daß der Lohn noch im 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts ähnlich
hoch blieb. Nun kamen ungünstigere Zeiten: der Rüfcgang des VBauernstandes, die
Verdrängung des Ackerbaues durch die Schafzucht, die Geldwertsrevolution, der der
Lohn nicht entsprechend folgte, wirkten auf Lohnherabsetzungen. Armenwesen und
staatliche Lohnregulierung sollten dem Vagabundenwesen und der Not der Besitzlosen
steuern. Rogers nimmt an, der Reallohn sei 1300 —1650 auf ein Viertel des einstigen
zefallen; ich berechne, er habe durchschnittlich auf etwa 80 Kilogramm Weizen gestanden.
Nach der Berechnung von Wiebe über den Geldlohn und Kulischer über den Reallohn
war das Verbhöältnis unter sofortiger Hinzufügung einiger deutscher Parallelen so:
1451-1500
1551- 1570
1571 - 1602
1603 - 1652
1653—21702
Englische Löhne Elsäfser Löhne
Gelcnhn Reallohn Geldlohn Reallohn
100 100 100 100
98 60 88 55
120 51 103 53
146 40 121 40
206 54 108 45
Münstersche Löhne
Geldlohn Reallohn
1447 - 1500 100 100
501 1520 89 80
1521 - 1550 91 87
551 21560 96 78