Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

446 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. —[904 
In den Vororten Berlins stieg der Hektar Ackerland mit dem Beginn des eigentlichen 
Wohnungsbaues für die Berliner daselbst 18681875 von 300- 600 Mk. auf 3000 
bis 12000 Mk.; der Quadratmeter stand im Anfang der Bauzeit auf 5—6 Mk., ging 
dann Ende der achtziger Jahre und bis 1900 auf 18, 40, 60 —- 180 Mk. hinauf. Der 
Quadratmeter in Paris stieg von 57 Ets. im 16. Jahrhundert auf durchschnittlich 
4,50 Francs im 17., 28 Francs in 18. und 180 Francs Ende des 19. Jahrhunderts; 
dabei steht er in den äußeren Arrondissements auf 4-8ÿ85 Franes, an den Haupthandels— 
straßen auf 2000 Francs. In den kleinen Städten ist der Preis allerwärts natürlich 
sehr viel niedriger. Aber immerhin stieg er auch hier neuerdings gewaltig; z. B. in 
den kleinen oldenburgischen Städten 1880 —1898 für das behauste Grundeigentum um 
810/0, für das unbehauste (der Spekulation und Bebauung jetzt erst unterworfene) um 
309 — 8300/0. Aus Hamburg wird berichtet, daß die Bodenpreise 1842 — 1900 um 
das 3—68 fache, aus Frankfurt a. M., daß sie 1880 — 1895 um 600/0, aus Karlsruhe, 
daß sie seit 320 Jahren um das 2—4 fache stiegen. 
Diese Wertsteigerung mag teilweise eine künstliche sein, wir kommen darauf zurück, 
in der Hauptsache ist sie eine Folge der größeren Gewinnmöglichkeiten. Sie spiegelt sich 
natürlich in den Häuserpreisen und Mieten wieder, aber diese sind nun viel stärker 
durch den Kapitalaufwand, durch die Verbesserung der Wohnungen und Wohnweise 
beeinflußt als die ländlichen Boden- und Pachtpreise. Sehen wir, wie sie gewachsen 
sind. Die Untersuchungen von D'Avenel über Frankreich geben uns einen Anhalt für 
mehrere Jahrhunderte; die Angaben sind in heutigen Francs ohne Berücksichtigung 
des Geldwertes gemacht. 
Paris 
Hauspreis Sausrente 
1606 — 
2120 
380 
4420 
29 600 
39 800 
1890 ganz Paris 180 000 7099 
in den 10 alten 13 759 588 2129 
Arrondiss....260000 14300 
Dörfer 
Hauspreis Hausrente 
84 15 
22 10 
26 10 
198 13 
430 21 
515 35 
i. d. Ort. v. 
— 
51 i. d. Ort. 
unt.20006. 
Wir brauchen nach dem, was wir vorhin über den Geldwert und seinen Einfluß 
auf die französischen ländlichen Preise sagten, hier kaum zu wiederholen, daß die Preisfe 
des 18. Jahrhunderts um das 4 fache erhöht werden müßten, um sie direkt mit den 
heutigen vergleichbar zu machen. Die Pariser Hauspreissteigerung von 1606 auf 
260 000 ermäßigte sich damit auf 6424: 260 000 resp. 180 000, die im Dorfauf7836: 2129. 
Groß genug bleibt sie, wenn man bedenkt, daß es sich hier um ganz große Durchschnitte 
handelt, die in den besten Lagen um das 10—50 fache übertroffen werden. Wir werden 
im allgemeinen das Resultat so fassen können. Die Hauspreise und Renten in den 
Dörfern werden in ihrer ganzen Entwickelung kaum eine Monopolrente in sich bergen: 
die Verbesserung der Wohnungen erklären die historische Veränderung allein hinlänglich. 
Auch in den Provinzialstädten ist der Monopolmehrwert wohl ein ziemlich mäßiger, 
natürlich im Durchschnitt durch die kleinen Städte ein sehr herabgedrückter. Groß ist 
er in Paris und hauptsächlich in den alten Teilen der Stadt. AÄAber auch da kommt 
auf die zumal im 17. und 19. Jahrhundert einsetzende unendlich verbesserte Ausstattung 
der Wohnungen, auf ihre Erhöhung von 1422' auf 8—6 Siockwerke, auf die Über⸗ 
bauung der Höse und Gärten ein großer Teil des Mehrwertes; die Baukosten werden 
teilweise teurer, im einzelnen aber auch billiger geworden sein. Wenn die Hausrente 
oder Miete 1500 bis 1800 von 800 auf 14800 stieg, so dürfte ein Drittel bis 
ein Viertel der heutigen Rente, vielleicht auch mehr, doch Ersatz- und nicht Monovolrente 
sein. Groß genug bleibt diefe
	        
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