Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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viele Vorkaufsrechte als möglich zu erlangen und jeden, 
den sie konnten, auszuplündern. Es herrschte eine rasende 
Sucht nach schnellem Gelderwerb, ohne Rücksicht auf die 
angewandten Mittel. 
Freilich kam auch ein Strom von Ackerbauern, die nur 
billiges Land erwerben und es ehrlich bestellen wollten, 
herbei. Aber dieses Element gab dem allgemeinen Trei- 
ben nicht seinen Charakter. Den wirklich‘ aggressiven 
Charakter erhielt es durch Abenteurer, Kapitalisten und 
auf andere Weise. Alle diese Kapitalisten kamen tatsächlich 
aus den östlichen Staaten, und viele von ihnen waren, 
wie die Protokolle zeigen, an den Schwindeleien im Osten 
beteiligt gewesen. Verschiedene Gruppen von ihnen be- 
stachen eifrig den Kongreß, Regierungsbeamte und die 
gesetzgebenden Körperschaften, um Landbewilligungen, 
Eisenbahnpatente, Privilegien, Minerallager und besondere 
Gesetze zu erlangen. Schneidige Kaufleute, handeltrei- 
bende Ränkeschmiede und Grundstückschwindler über- 
liefen die neu gegründeten großen und kleinen Städte. 
Jedem Gedanken und jedem Plan war der Stempel des 
Geldes aufgedrückt; das überall herrschende Ideal war 
Reichtum, gleichviel, wie erworben; alle Klassen waren 
davon durchdrungen. Die ganze Luft war von Habgier 
erfüllt, und wenn die vielen Prozeßprotokolle in den 
Gerichtshöfen von Minnesota als Symptom angesehen 
werden können, so bildeten Spekulationen, Schwindel und 
Betrug geradezu eine gewohnheitsmäßige Leistung bei 
jedem geschäftlichen Unternehmen. 
Hill kam in diese Atmosphäre von Käuflichkeit, Hab- 
sucht und Korruption, in einen gesellschaftlichen Zustand, 
bei dem jedermann nach der bedeutungsvollen Frage be- 
urteilt wird: ‚Wieviel ist er wert?“ Lange, ehe er kam, 
war diese Korruption in vollem Gange. Überall im ganzen 
Westen, Nordwesten und Südwesten waren das betrüge- 
rische Ansichreißen von Acker-, Holz- und Grubenland 
und die Bestechung des Kongresses und der gesetzgebenden 
Körperschaften zur Erlangung von unentgeltlichen Zu- 
wendungen öffentlichen Geldes (wie wir es in früheren 
Kapiteln überreichlich gesehen haben) lange allgemein
	        
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