Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
haupt und namentlich in Theuerungsfragen nichts positiv Gutes 
schaffen; die Reichen seien nicht zahlreich, ihr Reichthum sei 
im Gesammtinteresse zu erhalten — öffentliche Zwangs-Armen- 
pflege, Lohnregulirung und Beschränkung des Kornhandels 
seien Verirrungen. Man klage über das Monopol der Kauf- 
leute; aber nur Monopol der Autorität sei schlimm, Monopol 
des Kapitals sei eine grosse Wohlthat für die 
Armen. „Nicht durch Brechen der Gesetze des Handels, 
d. h. des freien Handels, welche die Gesetzeder Natur 
und also die Gesetze Gottes sind, können wir hoffen, 
die göttliche Ungnade zu besänftigen und irgend ein Uebel, 
unter dessen Druck wir seufzen, zu entfernen. Der Staat 
müsse sich auf die wahrhaft öffentlichen Angelegenheiten be- 
schränken, zu viel Regieren und besonders Einmischung des 
Staats in Nahrungsfragen sei vom Uebel. Eben das sei der 
Fehler der sonst so herrlichen {französischen Monarchie ge- 
wesen, dass sie zu viel regiert und das Volk daran gewöhnt 
habe, die Regierung für Alles verantwortlich zu machen. 
Burke predigt einfach unbedingte Zufriedenheit Aller mit 
der im Princip anerkannten individuellen Freiheit auf wirth- 
schaftlichem Gebiet... Auch hier ist er — in deutlich hervor- 
tretender Geistesverwandtschaft mit Malthus — einfach um 
jeden Preis gegenüber den bestehenden englischen Einrich- 
tungen eonservativ; er sieht nicht und will nicht sehen, dass 
das neu entstandene wachsende Proletariat dem Staat und den 
herrschenden Classen neue Aufgaben auflegt, neue Sorgen be- 
reitet. Es bleibt demgegenüber praktisch unerheblich, wenn 
Burke in idealem Schwung des Gefühls 1796 (Bd. VIII. 8. 88) 
zagt: „Wenn der Reichthum der gehorsame, arbeitsame Die- 
ner von Tugend und Ehre ist, dann ist er an seinem Platz 
und von Nutzen: Wenn aber diese Ordnung umgekehrt und 
die Ehre der Erhaltung des Reichthums geopfert wird, so 
kann der Reichthum, der weder Augen noch Hände noch sonst 
wahrhafte Lebenskraft in sich hat, nicht lange das Dasein 
seiner belebenden Kräfte, legitimen Herren und mächtigen Be- 
schützer überleben. Wenn wir unseren Reichthum. beherrschen, 
werden wir reich und frei sein — wenn er uns beherrscht,
	        
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