208 Erstes Buch, Cap. 2.
natürlichen Fähigkeit der Menschen, sich zu vermehren, eingr-
seits, und der Möglichkeit, eine diesen Kräften entsprechend
sich vermehrende Menschenmenge zu ernähren, andererseits,
besteht ein Conflict. Zur Verdeutlichung dient das Schema
der geometrischen Progression, in welcher sich die Menschen
zu vermehren trachten und der nur beispielsweise an-
geführten arithmetischen Progression, in der die Unter-
haltsmittel vermehrt werden können. Aus diesem Conflict
folgt, dass die der Natur des Menschen nach gebotene Ver-
mehrung der Menschen gehemmt wird, und zwar entweder 80,
dass die zuviel geborenen Menschen durch Krieg, Pest, Elend
u. s. w. weggerafit werden, oder so, dass, sei es durch Laster
oder durch moralische Enthaltsamkeit, weniger Menschen ge-
boren werden („positive and preventive checks‘). Da alle diese
Hemmnisse der Volksvermehrung mit grossen Leiden verbun-
den sind, so erscheint als das geringste Uebel und demgemäss
als allgemeine Menschenpflicht die moralische Enthaltsamkeit,
die sich, concret genommen, in das Gebot zusammenfassen
Jässt, dass Niemand heirathen solle, ehe der die zu erwar-
tende Zahl von Kindern sicher standesgemäss und gut auf-
ziehen könne, und dass Jedermann vorher ein keusches Leben
zu führen habe.
Diese Behauptungen werden in den zwei ersten Büchern
durch eingehende historische und statistische Untersuchungen
bewiesen. Das zweite Buch schliesst mit folgenden zusammen-
fassenden Worten:
„Muss nun nicht jeder aufmerksame Beobachter der Ge-
schichte der Menschheit zugestehen, dass zu allen Zeiten und
unter allen Verhältnissen, in denen Menschen gelebt haben,
und leben, die Zunahme der Bevölkerung nothwendig durch
die Unterhaltsmittel begrenzt ist -— dass die Bevölkerung un-
fehlbar zunimmt, wenn die Unterhaltsmittel zunehmen, bis
mächtige entgegenstehende Hemmnisse dies verhüten — dass
sowohl diese Hemmnisse wie diejenigen, welche die Bevölke-
rung auf dem durch die Unterhaltsmittel bestimmten Maass
niederhalten, in moralischer Enthaltsamkeit, Laster und Elend
bestehen.“ — Darauf folgt noch eine kurze Ausführung, dass