Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Einleitung 
zur socialen Geschichte Englands 
von 1760—1832. 
Seit Gneist kennen wir das Wesen der berühmten und 
beneideten englischen Verfassung des vorigen Jahrhunderts, 
wissen wir, wie sie sich geschichtlich entwickelt hat und auf 
welchen socialen Verhältnissen sie beruhte. Wir betrachten 
sie nicht mehr mit den Augen Montesquieu’s und wir Jächeln, 
wenn in ihr noch die politischen Wortführer aus der Zeit von 
1848 Verwirklichung demokratischer Ideale erblickten. 
Es existirte keine Constitution, die in Artikeln und Paza- 
graphen alle Verfassungsbestimmungen zusammengefasst hätte; 
die Verfassung wie sie galt und wie sie geübt wurde, war 
nicht die rationelle Consequenz irgend eines principiellen Ge- 
dankens, sondern das Product der gesammten Geschichte des 
Volks und ebendeshalb ihrer Zeit wirklich die beste Verfas- 
sung, die es gab. 
Es herrschte eine kleine, aber nach unten nicht abge- 
schlossene Aristokratie unter einem Königthum, dem es seit 
den Tagen der „Magna charta“ nie gelungen war, unbeschränkt 
Zu sein, und dessen beschränkte Macht 1688 nicht neu con- 
stituirt, sondern nur neu anerkannt und definirt wurde. Die 
Aristokratie (nobility und gentry) regierte nicht nur im Parlament, 
sondern sie verwaltete auch den Staat durch die Ehrenämter 
des Selfgovernments, die sie als staatliche Pflicht übernahm.
	        
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