Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

294. 
Erstes Buch, Cap. 2. 
Als Nebengründe erscheinen noch die Gleichmässigkeit der 
Getreidepreise und die höhere Productivität des Ackerbaus. 
Malthus macht also vom Laissez-faire-Princip eine. Aus- 
jahme zu Ehren seiner allgemeinen Wünsche. für poli- 
tischen und socialen Fortschritt. Nicht die Steuerlasten 
des Grundbesitzes, nicht die Behauptung, der inländische 
Handel würde ohne Kornzölle ruinirt werden, machen ihn 
zum Vertheidiger dieser Institution, sondern seine Abneigung 
gegen den Zustand, demzufolge Handel und Industrie über- 
wiegend. und allein tonangebend im Lande sind, und die In- 
teressen dieser weniger sichern Quellen des Erwerbs dominirend 
werden. Es lässt sich nicht leugnen, dass damit die schwache 
3eite der durch freien Kornbandel begünstigten einseitigen 
industriellen Entwicklung getroffen ist. Obwohl Malthus etwas 
Unmögliches verlangte — wie die Zukunft lehrte — und sich 
irrte, weil er zumeist nur Englands Handel mit den andern 
auropäischen Ländern, nicht mit der ganzen Welt ins Auge 
fasste, obwohl er factisch das Interesse eines Standes vertrat 
— man darf nicht vergessen, dass er niemals sophistische oder 
leidenschaftliche Gründe vorbrachte, wie die meisten Frei- 
händler, sondern dass er nur aus seiner Auffassung vom 
Jauernden Gemeinwohl heraus und mit der grössten Vorsicht 
nperirte. 
Cap. 12: „Wir haben in den vorangehenden Capiteln 
die besonderen Nachtheile eines ausschliesslichen Ackerbau- 
der Handelssystems betrachtet, sowie die besonderen Vorzüge 
eines Systems, in welchem beide vereint sind und zusammen 
alühen. — Es ist offenbar möglich, durch Korneinfuhr-Beschrän- 
kungen ein Gleichgewicht zwischen den Ackerbau und Handel 
treibenden Classen zu erhalten. — Das Ziel kann wohl sicher 
ayreicht, aber es kann zu theuer erkauft werden. Und für 
diejenigen, die nicht von vornherein alle derartigen Unter- 
zuchungen als Verstoss gegen ein von ihnen heilig gehaltenes 
Princip verwerfen, muss es als ‚eine höchst wichtige praktische 
Frage erscheinen, ob man nicht ein Gleichgewicht zwischen 
Ackerbau und Handel unter Umständen künstlich erhalten 
solle. wenn es nicht von Natur stattfindet.‘ „Völlige Handels-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.