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Erstes Buch, Cap. 2.
Als Nebengründe erscheinen noch die Gleichmässigkeit der
Getreidepreise und die höhere Productivität des Ackerbaus.
Malthus macht also vom Laissez-faire-Princip eine. Aus-
jahme zu Ehren seiner allgemeinen Wünsche. für poli-
tischen und socialen Fortschritt. Nicht die Steuerlasten
des Grundbesitzes, nicht die Behauptung, der inländische
Handel würde ohne Kornzölle ruinirt werden, machen ihn
zum Vertheidiger dieser Institution, sondern seine Abneigung
gegen den Zustand, demzufolge Handel und Industrie über-
wiegend. und allein tonangebend im Lande sind, und die In-
teressen dieser weniger sichern Quellen des Erwerbs dominirend
werden. Es lässt sich nicht leugnen, dass damit die schwache
3eite der durch freien Kornbandel begünstigten einseitigen
industriellen Entwicklung getroffen ist. Obwohl Malthus etwas
Unmögliches verlangte — wie die Zukunft lehrte — und sich
irrte, weil er zumeist nur Englands Handel mit den andern
auropäischen Ländern, nicht mit der ganzen Welt ins Auge
fasste, obwohl er factisch das Interesse eines Standes vertrat
— man darf nicht vergessen, dass er niemals sophistische oder
leidenschaftliche Gründe vorbrachte, wie die meisten Frei-
händler, sondern dass er nur aus seiner Auffassung vom
Jauernden Gemeinwohl heraus und mit der grössten Vorsicht
nperirte.
Cap. 12: „Wir haben in den vorangehenden Capiteln
die besonderen Nachtheile eines ausschliesslichen Ackerbau-
der Handelssystems betrachtet, sowie die besonderen Vorzüge
eines Systems, in welchem beide vereint sind und zusammen
alühen. — Es ist offenbar möglich, durch Korneinfuhr-Beschrän-
kungen ein Gleichgewicht zwischen den Ackerbau und Handel
treibenden Classen zu erhalten. — Das Ziel kann wohl sicher
ayreicht, aber es kann zu theuer erkauft werden. Und für
diejenigen, die nicht von vornherein alle derartigen Unter-
zuchungen als Verstoss gegen ein von ihnen heilig gehaltenes
Princip verwerfen, muss es als ‚eine höchst wichtige praktische
Frage erscheinen, ob man nicht ein Gleichgewicht zwischen
Ackerbau und Handel unter Umständen künstlich erhalten
solle. wenn es nicht von Natur stattfindet.‘ „Völlige Handels-