Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

J. Bentham.

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müsse. Und in allen politischen Schriften kommt Bentham
zu dem Resultat, dass die Majorität unbedingt die Herrschaft
haben müsse, da es ja auf das Glück der Majorität ankomme
and diese nur selbst bestimmen könne, was ihr nützlich sei.
Es ist selbstverständlich, dass mit diesen demokratischen
Anschauungen eine grimmige Abneigung gegen jede Aristokratie
 Hand in Hand ging, dass Whigs und Tories Bentham
Zleichmässig verhasst wurden, dass er sich einfach auf die
Seite der „radicalen Reformer“ seiner Zeit stellte. Er spottet
über die „glorreiche Revolution“ (Book of Fallacies), ist für
Katholikenemancipation, gegen die Staatskirche, eifert gegen
die heilige Allianz ete. ete. — und liefert in all diesen Fragen
den radicalen Agitatoren seiner Zeit die Waffen, wenn er auch
Cobbett für einen Schuft erklärte, und weder Paine’s Schwär-Merei
 für Menschenrechte noch des Majors Cartwright biblische
Sittenstrenge bei ihm Anklang fand. In dem Hauptpostulat
der radicalen Parlamentsreform stimmte er mit allen andern
Radicalen überein, wie er denn gleich den meisten der letzteren
 die Vereinigten Staaten von Nordamerika für das gelobte
 Land hielt und sogar wähnte, dass dort nie Einzelne
öffentliche Mittel zu ihrem Vortheil vergeudeten!
Mit den Sympathien für Demokratie wuchs Bentham’s
Kosmopolitismus. Er war der Ansicht, Ausländer eigneten sich
besonders zu Staatsbeamten, weil man sie besonders argwöhnisch
 überwachen würde. Er schrieb nicht nur Gesetzbücher und
Belehrungen für die beliebigsten Nationen, selbst für Tripolis,
Sondern verfasste einen Codificationsvorschlag für alle libetale
 Völker (Codifieation Proposal).
Bentham verwarf die mässige und verlangte unbedingt
die radicale Parlamentsreform. In dem „Parliamentary Reform
Catechism“, geschrieben 1809, veröffentlicht mit Einleitung von
1817 (Bd. III der Werke), wird die radicale Parlamentsreform
bereits nicht nur mit scharfer Kritik des Bestehenden, sondern
Sntschieden mit glühender Leidenschaft gefordert. Minder-Jährige,
 auch solche, die nicht lesen können, sollen zwar aus-Seschlossen
 werden, denn Bentham verlangt verständigerweise
„Virtually universal suffrage‘“. aber zugleich ganz in der Weise
            
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