270 Die katholischen und verwandten Schulen in der Gegenwart
vollziehenden Schmälerung oder gar dem Verluste des Wohl
standes“ x ).
ad b). Damit eine Volkswirtschaft fortschreite und ge
deihe, bedarf sie neben dem Freiwaltenlassen der Naturgesetze
gewissenhafter Beobachtung der „wirtschaftlichen Gebräuche“.
Damit ist gemeint, was Le Play die Pflichten des Patronage
nennt 2 ).
ad c). Die französische Nationalökonomie läßt die staat
liche Einmischung ins Wirtschaftsleben nur dann zu, wenn die
individuelle und kollektive Initiative bestehenden Schäden und
Mißbräuchen gegenüber ohnmächtig und fruchtlos ist. Für
die Zentralgewalt vindiziert sie nur jene Funktionen, die von
der Gemeinde und der Provinz nicht erfüllt werden können 3 ).
Die Einmischung der öffentlichen Gewalt ins Wirtschafts
leben vollzieht sich in der Hauptsache auf den Gebieten der
Finanz-, der Handels- und der Sozialpolitik. In der Finanz
politik steht die französische Schule nach Béchaux auf dem
Boden des in Frankreich bestehenden Ertragssteuersystems; in
der Handelspolitik bekennt sie sich zu Leroy-Beaulieus Sy
stem der Handelsverträge, in der Sozialpolitik deckt sich ihr
Standpunkt mit demjenigen des (von der Brüsseler Le Play
gesellschaft inspirierten) belgischen Staates. „Alle belgischen
sozialpolitischen Gesetze über Familie und Herd, Arbeit, Arbeits
lohn und Genossenschaftswesen stehen auf dem Boden der in
dividuellen Freiheit“ 4 ). Béchaux gibt Frankreich den Rat,
sich in der Regelung der Sozialversicherung dem Vorgehen
Belgiens anzuschließen und sich von dem deutschen Zwangs
system fern zu halten 5 ). Was endlich das schwierige Problem
des internationalen Arbeiterschutzes betrifft, so steht ihm die
französische Schule abwartend gegenüber. Sympathisch ist ihr
dabei, daß die völkerrechtliche Entwicklung notwendig mäßigend
auf den modernen Staatsimperialismus wirken muß 6 ).
b ibid. Buch II, Kap. 1, p. 25 ff.
2 ) ibid. p. 42 ff.
s ) ibid. Buch II, Kap. 3, p. 58 ff.
4 ) ibid. p. 128.
5 ) ibid. p. 128.
6 ) ibid. p. 143 ff.