Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 5.

Politikern, gerade so wie er Malthus gegenüber im Rechte
war, wenn er ein gewisses Maass von Wohlstand als unerlässliche
 Vorbedingung von sittlichem Lebenswandel betrachtete
und eine nicht geringe Steigerung der menschlichen Productivität
 für möglich hielt.
Sein gutes Herz und seine praktische Erfahrung verschafften
 ihm manche überlegene, zu seiner Zeit neue Einsicht.
 Seine theoretischen Ansichten über Mensch und Staat
waren dabei freilich ganz von dem durch Bentham repräsentirten
 Zeitgeist erfüllt, was nicht für die Selbständigkeit seiner
wissenschaftlichen Fähigkeiten zeugt, aber die ihm von den Zeitgenossen
 gewidmete Anerkennung nicht vermindern konnte.
Der Mensch ist mit einem natürlichen Streben nach Glück
ausgestattet, „die Regierung hat den Zweck, Regierte und
Regierende glücklich zu machen; die beste Regierung ist diejenige,
 welche in der Praxis das grösste Glück der grössten
Zahl bewirkt, wobei Alle, die regieren und die gehorchen,
mitgerechnet werden müssen.“ (4. Essay.)
Das ist Bentham unter ausdrücklicher Abweisung aller
Aufhetzung gegen die Regierung und mit der ausschliesslichen
Tendenz, die Regierung, deren Form und Art Owen gleichgültig
 war, belehrend zu beeinflussen. Der bei weitem grösste
Theil der Bevölkerung gehört zu den arbeitenden Classen oder
ist aus diesen emporgestiegen; und durch sie ist Glück und
Wohlsein aller Stände inclusive der höchsten, sehr wesentlich
beeinflusst (3. Essay) — das heisst die Bentham’sche Glückseligkeitslehre
 wird in bewusster Weise vorzüglich den Tendenzen
 der Arbeiter dienstbar gemacht, — jedoch ohne Aufreizung
 dieser gegen die Reichen. Zu der Benthamitischen
Lehre wird prineipiell und immer ein starker Glaube an die
natürliche Harmonie aller Interessen gefügt, der keineswegs
ein das Laissez faire motivirendes Sophisma, sondern der
Ausdruck des starken Wunsches nach gemeinnützigem Thun
ist; man kann sagen, Owen besitzt Bentham’s Beschränktheit
der Gesichtspuncete und seine Tendenz, den Menschen zu
nützen, ohne sein Misstrauen gegen die Menschen und die
Herrschenden insbesondere.
            
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