fullscreen: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

Manifest. 
Die ganze Welt ist in Bewegung 
und der kleinste Impuls in irgendeinem ihrer Teile findet mächtigen Wider- 
hall auf unermeßlichem Gebiete. Das Beispiel des winzigen Nicaragua zeigt, 
daß ein dauerhafter Widerstand selbst gegen den mächtigsten imperia- 
listischen Riesen möglich ist dank der Resonanz, die dieser Widerstand bei 
einer ganzen Reihe von stärkeren Völkern, die aber gleichfalls mit Besorgnis 
ihre Unabhängigkeit verteidigen müssen, erweckt. 
Ohne erbitterten Widerstand werden jedoch die imperialistischen Unter- 
drücker ihre Beute nicht freigeben. Die junge türkische Republik 
mußte alle ihre Kräfte in einem neuen Kriege anspannen, sie mußte ıhre 
Hauptstadt in das Innere des Landes verlegen, um ihre Unabhängigkeit vor 
räuberischen Attentaten zu beschützen. Schon nach dem Weltkriege haben 
wir neue Kolonialkriege in Marokko und Syrien erlebt. Unter dem 
Drucke der nationalen Bewegung sah sich Großbritannien endlich ge- 
zwungen, auf dem Papier eine Art von Unabhängigkeit und Selbständigkeit 
in Ägypten anzuerkennen, es fährt aber mit Hilfe der in diesem Lande 
zurückgelassenen militärischen Kräfte fort, die ägyptische Demokratie in der 
gröbsten Form zu vergewaltigen, und klammert sich um so fester an Sudan, 
das die blutigen Heldentaten von Lord Kitchener noch nicht vergessen hat. 
Um ihre Macht zu behaupten, zugleich im Namen des sogenannten „Prestige“ 
— einen der heuchlerischsten, niederträchtigsten und schamlosesten imperia- 
listischen Begriffe —, sind die heutigen Eroberer, die sich so sehr ihrer 
Kultur und ihres Christentums rühmen, nach wie vor zu den unmensch- 
lichsten Grausamkeiten, zu den barbarischsten Racheakten fähig. Wer kann 
die letzte grausame Abrechnung der holländischen Plantagenbesitzerregierung 
mit den Aufständigen von Niederländisch-Indien, wo bis heute noch Zwangs- 
arbeit und Leibeigenschaft bestehen, vergessen? Wer kann die bestialische 
Kanonensalve aus einer Entfernung von sechs Metern auf unbewaffnete 
Chinesen in Wan-Hsien vergessen, von deren Blut der Yangtsekiang rot ge- 
färbt wurde? Wer erinnert sich nicht an den triumphierenden Ton der 
Schilderung der führenden Presseorgane der „hochkultivierten‘“ englischen 
Nation über dieses unerhörte Gemetzel? Wer hat in Indien vergessen, 
mit welcher Bestialität auf eine unbewaffnete Menge geschossen wurde, auf 
einem Platze von Amritsar, dessen Ausgänge abgeschlossen waren; wer hat 
es vergessen, daß der General O’Dyer von den Anhängern solcher bestia- 
lischen Handlungen eine Ehrenwaffe erhielt?! 
Die Notwendigkeit, die zerstörten Grundlagen des Wirtschaftslebens wie- 
derherzustellen, die Angst vor der Revolution und die noch nicht überwun- 
dene Erschöpfung durch den Weltkrieg zwingen vorläufig die imperialisti- 
schen Mächte, den Frieden in ihren gegenseitigen Beziehungen irgendwie auf- 
rechtzuerhalten. Deshalb ist der „Pazifismus‘“ das Lieblingswort der gleichen 
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