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Die Kartelle in der deutschen Portland-Zementindustrie.
Erfolge dasselbe. Es wird dadurch nicht nur die Konkurrenz ver
mindert, sondern es können auch die Anlagen voll ausgenützt
werden, indem ein Werk den ganzen Absatz herstellt. Besonders
gewinnbringend sind solche Verschmelzungen bei Vorhandensein
von Kartellen, weil dann die Minderung der Konkurrenz nicht auch
anderen zu gute kommt. Daher sind sie auch dort am häufigsten, wo
festgefügte Kartelle bestehen und begründete Aussicht vorhanden
ist, daß sie auch von langer Dauer sein werden. Zahlreich sind
I auch in der Zementindustrie die Interessengemeinschaften
durch den Besitz von Aktien oder Anteilen. Ferner sind oft
mehrere Zementfabriken an einer anderen beteiligt; auch unter
den Gründern befinden sich vielfach mehrere Konkurrenzwerke,
die auf die neue Fabrik Einfluß haben wollten, wenn einmal die
Gründung nicht mehr zu verhindern war. Besonders wichtig
sind solche Interessengemeinschaften unter Angehörigen ver
schiedener Kartelle, weil dadurch auch deren Zusammengehen
bis zu einem gewissen Grade begünstigt wird. Auch die Syndikate
selbst beteiligen sich an solchen Unternehmungen; sie kaufen
ganze Werke auf, um sie stillzulegen oder verhindern Neu
gründungen, indem sie den dazu nötigen Grund und Boden
erwerben. Das hat noch nebenbei den Erfolg, daß durch den
gemeinsamen Besitz der Verband fester zusammengehalten wird.
Sehr häufig sind Kombinationen mit Zementwarenfabriken,
Bau- und Immobiliengesellschaften, Elektrizitätswerken, Faß
fabriken und Kohlengruben entweder durch Besitz oder durch
Beteiligung. Wohl alle Zementfabriken besitzen eine eigene
Reparaturwerkstätte, oft sogar größere Anlagen; die Stettiner
Portland-Zementfabrik hat z. B. eine eigene mechanische Werk
stätte, in der nicht nur alle Reparaturen, sondern auch alle Neu
bauten hergestellt werden. Außer Rohguß und fertigen Dampf
maschinen wird nichts von fremden Maschinenfabriken bezogen.
Wenn wir die Entwicklung der deutschen Zementindustrie
noch einmal überblicken, so fällt uns zunächst auf, daß die
Krisen periodisch auftreten. Der Grund ist immer Überproduktion,
die durch allzu starke Produktionsvermehrung bei großem Bedarf