Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Die Reihenfolge der Erfindungen. 597

Manufactur spielte 30 Jahre lang die Rolle eines öffentlichen
Versuchsfeldes.!)
War so der Sieg der grossen Fabrikindustrie an der Wende
des Jahrhunderts entschieden, so gab es doch Gebiete, auf
denen sich die Umwälzung nur langsam vollkommen ausbildete
 und auf denen tief in das 19. Jahrhundert hinein leidensvolle
 Uebergangszustände sich entwickelten. Man kann sagen,
dass die Schattenseiten der neuen Entwicklung —. die wir
immer als überwindbare Uebergangsleiden betrachten müssen,
sich erst nach dem entschiedenen Siege des neuen Systems
deutlich und in vollem Umfang zeigten. Dies ist namentlich
zu sehen an der Geschichte der Weberei und der Tuchindustrie.

Da in der Weberei der Maschinenwebstuhl später und
langsamer durchdrang als die Maschinen in der Spinnerei und
da der mechanische Webstuhl auch eine minder bedeutende Productionssteigerung
 bewirkte, so entstand in der Weberei eine
langdauernde und schwere Krisis durch das allmälige Eindringen
 der Fabrikindustrie. Wir haben davon schon oben,
als von den Bestrebungen der Handwerker nach Lohnregulirung
 die Rede war, gesprochen. Indem wir auf die dortigen
Ausführungen verweisen, ist hier noch nachzutragen, dass in
der That der mechanische Webstuhl der Hauptgrund oder
doch die entscheidende Veranlassung des Elends war. Die
Concurrenz ausländischer Weber wirkte freilich auch mit, und
der nächste Grund des Elends war natürlich die Ueberfüllung
der Handweberbranche mit Arbeitskräften. Diese Ueberfüllung
 ihrerseits aber war die Folge davon, dass sich in die
Handweberei alle durch die Fabriken brodlos gewordenen und
alle Arbeitskräfte, die nicht in Fabriken arbeiten mochten,
zusammendrängten. Alle durch die allmälige Ausbreitung der
Maschinen entstandenen Verschiebungen der Arbeitsmarktverhältnisse
 drängten sich gleichsam in ihren Wirkungen schliesslich
 in der Handweberei zusammen, in der sich die Masse der

) Aikin a. a. O0. S. 516—536.
            
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