Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Die neuen politischen Ideen. 
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bezeichnen wollen, wurden zuerst in England zu einer grossen 
Literatur ausgebildet, die in Locke ihren Höhepunkt hatte. 
Von da’ kamen sie nach Frankreich herüber, wo sie reiner, 
extremer, systematischer, allseitiger ausgebildet wurden, bis 
Rousseau nicht ihr originellster, aber ihr wirksamster und wohl 
charakteristischer Prophet wurde. Sie hatten inzwischen in 
England nicht geschlummert, erfuhren dort aber, wenigstens 
in politischer Hinsicht, eine prineipiell wichtige Weiterbildung 
erst wieder, nachdem der Geist der französischen Literatur, 
begünstigt durch die Ereignisse von 1776 und 1789, auf Eng- 
land stark gewirkt hatte. Der charakteristischste Vertreter 
lieser neuesten Entwickelungsphase des Individualismus in 
England ist und bleibt Jeremias Bentham. 
So einflussreich indessen die französischen Vorbilder auch 
waren, immer blieb die englische Literatur bis zu einem hohen 
Maasse eigenthümlich. Es wirkte und wirkt bis zum heutigen 
Tage in England die Eigenthümlichkeit des Nationalcharak- 
ters, derzufolge der Engländer der consequenten Entwicklung 
einer abstracten Theorie von Natur abgeneigt ist und seine 
Kraft lieber auf einzelne praktische Ziele concentrirt. Es 
blieb, bei dem Mangel irgend eines unerträglichen Drucks der 
äussereren Verhältnisse, eine auch in der Literatur sich spie- 
gelnde starke Tendenz. trotz aller platonischer Anerkennung 
extremer Doctrinen mit dem Gefühl und mit der That an 
einem guten Theil talter Institutionen festzuhalten. Deshalb 
spielt zu allen Zeiten in der englischen Literatur die Frage, 
ob eine einzelne Reform den Interessen der Individuen förder- 
lich sei, eine tonangebende Rolle, während der Drang, aus 
einem allgemeinen Princip unbedenklich die vollen Consequen- 
zen zu ziehen, praktisch schwach. bleibt. Die Absicht, die 
ganze englische Verfassung umzustürzen und durch eine Re- 
publik zu ersetzen, trat zwar auf, blieb aber gegenüber dem 
Willen, die Verfassung auf friedlichem Wege in wichtigen 
Punkten zu reformiren, ohne praktische Macht. 
Besonders aber bleibt der englische Individualismus eigen- 
thümlich in Bezug auf seine Stellung zu Kirche und Religion. 
Hier ist noch heute der englische Geist factisch auf dem
	        
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