Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

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Lage, nothwendig Geld zur Fortführung seines Hauswesens und 
seiner Landwirthschaft haben zu müssen, und er hat alsdann nur 
die Wahl, entweder ein Capital aufzunehmen, oder einen Acker, 
Wiese ꝛe. zu verkaufen. Ist das erstere ihm nicht möglich, weil 
er rechtsgültig nicht mehr als 5 pCt. Zins bieten kann, während 
die Capitalisten anderwärts 6 und noch mehr Prozent bekommen, 
so bleibt ihm nur das Andere übrig, d. h. er muß seinen Grund 
—D— 
Hätte der Bauer die Wahl, so würde er ohne Zweifel einsehen, daß 
ein oder einige Jahre einen höheren Zins zu bezahlen ein weit 
geringeres Uebel für ihn sei, als die Verstümmelung seines Gutes. 
Aber freilich, der einfältige Bauer versteht dies nicht, deshalb hat 
der Staat (d. h. die Herren Bureaukraten, welche, weil sie vom 
Ausstudiren an fixe Besoldungen beziehen und praktisch den Er— 
werbsverkehr gar nicht kennen gelernt haben, natürlich die Sache 
besser verstehen müssen) für ihn durch das Gesetz vorausgedacht 
und versorgt, daß er gar nicht „der Versuchung ausgesetzt sei, um 
Capitalien zu werben, deren Preise weder dem bisherigen Ertrage 
seines Grundes, noch den bestehenden Sinsengesetzen entsprechen.“ 
Gleicht ein solcher Gesetzgeber nicht dem Bären, welcher, um seinen 
schlafenden Herrn vor dem Stiche einer Mücke, die sich auf dessen 
Gesicht gesetzt hatte, zu sichern, einen Stein auf die Mücke geworfen 
hat? Der weise Gesetzgeber hat übersehen, was doch die Betrach- 
tung des täglichen Lebens lehrt, daß die irdischen Güter für die 
Einzelnen nach den millionenartig wechselnden concreten Verhält- 
nissen ihren Werth verändern, und daß für den nämlichen Menschen 
in dem einen Zeitpunkte eine gewisse Summe Geldes leicht den 
Werth haben kann, daß er für die Jahresbenutzung desselben gerne 
3 pCt. bezahlt, während er im nächsten Jahre es nicht um 4 pCt. 
brauchen möchte. Diese Wahrheit des wechselnden Werthes der 
Dinge wird Jedem als Kind in der Erzählung des Reisenden in 
der Wüste vorgeführt, welcher vor Hunger und Durst verschmachtend 
einen Sack gefunden hat, und als er darin statt der gehofften Eß 
früchte die kostbarsten Perlen fand, seufzend ausrief: „Ach, es sind
	        
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