Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

Morgen bis zum Abend angestrengt arbeiten, ein Selave des Be— 
dürfnisses und einzig und allein beschäftigt diesem gebietenden Herrn 
zu dienen. Er war nur eine mit den Muskeln arbeitende Maschine, 
die vom Schicksal dazu bestimmt war, aus dem Boden die unum⸗ 
gänglichsten Elemente des Unterhalts zu gewinnen. Erst nach und 
nach wurde das beseelte Werkzeug von dem unbeseelten erlöst; ein 
hülfsmittel trat an die Stelle des andern, um das Werk der Be⸗ 
freiung fortzusetzen und den widrigsten und schlechtesten Theil der 
Arbeit zu übernehmen. 
Wenn zwei Menschen, die wir uns ohne Verbindung mit 
einander denken, sich in einer verschiedenen Lage befinden, so daß 
die Natur für den Einen freigebig, für den Andern karg gewesen 
ist, so wird der erstere augenscheinlich weniger Arbeit für jede Be— 
friedigung zu verrichten haben. Folgt nun daraus, das derjenige 
Theil seiner Kräfte, der, so zu sagen, zur Verfügung gestellt bleibt, 
in Unthätigkeit verfällt, und daß dieser Mensch, wegen der Frei⸗ 
gebigkeit der Natur zum Müßiggange gezwungen ist? Nein; es 
folgt nur daraus, daß er, wenn er anders will, über diese Kräfte 
verfügen kann, um den Kreis seiner Genüsse zu erweitern, daß bei 
gleicher Arbeit er fich zwei Befriedigungen verschafft, statt einer; 
kurz, daß der Fortschritt ihm leichter ist. Wenn daher der Pflug, 
die Egge, der Hammer, die Säge, die Ochsen und Pferde, das 
Segel, die Wasserfälle, der Dampf allmälig der Menschheit eine un⸗ 
geheure Masse Anstrengungen für jedes bestimmte Resultat abge⸗ 
hommen haben, so bleiben diese verwendbar gewordenen Anstren⸗ 
gungen eben so wenig müßig. Werfen wir einen Blick um uns, 
so erkennen wir sofort, daß der Mensch, so oft er ein Hinderniß 
mit Hülfe einer Naturkraft besiegt, seine eigene Kraft gegen andere 
wendet; man druckt leichter, aber man druckt mehr; jedes Buch 
entspricht einem geringeren Grad von Anstrengung, aber es gibt 
mehr Bücher. Dasselbe gilt von der Kleidung, den Häusern, den 
Eisenbahnen, kurz von allen menschlichen Produktionen. So steigert 
sich die Produktion durch immer größere Benutzung der Naturkräfte 
Nachdem zuerst der Pflug, die Egge, der Karren und die Mühle 
es übernommen hatten, die nothwendigsten Elemente des Unterhalts
	        
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