Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

der man lebt, und setzt dabei stillschweigend voraus, daß die 
Menschheit keine andern gebrauchen könne. Sobald nun die Frei— 
gebigkeit der Natur oder die Macht der Maschine, oder auch die 
Gewöhnung an Mäßigkeit und Nüchternheit einen Theil der mensch- 
lichen Arbeit für einige Zeit überflüssig machen, beunruhigt man 
sich über diesen Fortschritt, und bricht in Klagen aus: es wird zu 
viel producirt, wir gehen an Ueberproduction zu Grunde, die Pro— 
ductionsfähigkeit ist größer geworden, als die Consumtionsfähigkeit 
u. s. w. Es ist unmöglich, für die Maschinenfrage, für die Fragen 
über die Concurrenz, über den Luxus eine vernünftige Lösung zu 
finden, wenn man das Bedürfniß als eine unveränderliche Größe 
betrachtet, wenn man seine unbegrenzte Dehnbarkeit nicht stets vor 
Augen hat. 
Man kann an tausend Gegenständen des täglichen Bedarfs 
nachweisen, wie die Consumtion nicht bloß in gleichem Schritte mit 
der Bevölkerung steigt, sondern, während diese in arithmetischer 
Progression wächst (1, 2, 3, 4, 5, 6, u. s. w.), beinahe in geome— 
trischer zunimmt (1. 2, 4, 8, 16, 32, u. s. w.. 
Der Kaffeeverbrauch in Europa kann jetzt jährlich auf 250 
Millionen Pfund geschätzt werden, der in Nordamerika auf etwa 
50 Millionen. Nimmt man dazu den Verbrauch in den übrigen 
Ländern, wo Kaffee getrunken wird, so schlägt man den jährlichen 
Gesammtverbrauch von Kaffee mit 400 Millionen Pfund nicht zu 
hoch an. Vor etwa 100 Jahren kam aller Kaffee noch aus Ara— 
bien, und betrug die Consumtion damals nur ungefähr 10 
Mill. Pfund. Die stärkste Zunahme dieser Consumtion fand in 
den letzten Jahrzehnten statt. 1820 belief sich dieselbe in Europa 
erst auf 140 Mill. Wie sich der jetzige europäische Verbrauch auf 
die einzelnen Länder vertheilt, ist nicht gut zu ermitteln; auch fan— 
den bisher in vielen Ländern noch sehr große Schwankungen statt. 
In Großbritanien wurde z. B. 1808 nur etwa 1 Mill. Pfd. Kaffee 
verbraucht. Bis 1820 war der Verbrauch auf 7—8 Mill. ge⸗ 
stiegen, während damals Paris allein gegen 5 Mill. Pfd. ver⸗ 
brauchte. 1832 brauchte Großbritanien schon 22 Mill. d. i. 1 
Pfund auf den Kopf, während in Dänemark, wo sehr viel Kaffee
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.