Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

und die französischen wieder sollen viel besser kultivirt sein als die 
polnischen. Obgleich aber das arme Land ungeachtet des geringeren 
Standes seiner Kultur mit dem reichen so ziemlich in der Wohl— 
feilheit und Güte seines Getreides wetteifern kann, so kann es doch 
in seinen Gewerken auf kein solches Mitwerben Anspruch machen, 
wenigstens dann nicht, wenn diese Gewerke dem Boden, dem Klima 
und der Lage des reichen Landes angemessen sind. Die französischen 
Seidenwaaren sind besser als die englischen, weil die Seiden. 
manufaktur wenigstens unter den jetzigen auf die Einfuhr der 
Rohseide gelegten hohen Zöllen zum englischen Klima nicht so gut 
paßt als zum französischen. Aber die englischen Stahl, und groben 
Wollenwaaren sind ohne allen Vergleich besser als die französischen, 
und noch dazu bei gleicher Güte viel wohlfeiler. In Polen soll 
es kaum irgend welche Gewerke geben, wenn man einige gröbere, 
für den Haushalt nöthige abrechnet, ohne die ein Land nicht be— 
stehen kann. 
Diese große Vermehrung in der Quantität des Erarbeite- 
ten, welche in Folge der Arbeitstheilung die nämliche Zahl Leute 
herzustellen im Stande ist, verdankt man dreierlei verschiedenen 
Umständen: erstens der gesteigerten Geschicklichkeit bei jedem ein— 
zelnen Arbeiter, zweitens der ersparten Zeit, welche gewöhnlich bei 
dem Uebergange von einer Arbeit zur andern verloren geht, und 
endlich der Erfindung einer Menge von Maschinen, welche die 
Arbeit erleichter und abkürzen und einen einzigen Menschen in 
Stand setzen, die Arbeit Vieler zu verrichten. 
Erstens vergrößert die gesteigerte Geschicklichkeit des Arbeiters 
nothwendig die Quantität dessen, was er leisten kann, und da die 
Arbeitstheilung das Geschäft eines Jeden auf eine einfache Ver— 
richtung einschränkt und diese Verrichtung zur alleinigen Beschäftigung 
seines Lebens macht, so steigert sie unansbleiblich die Geschicklichkeit 
des Arbeiters zu einem hohen Grade. Ein gewöhnlicher Schmied, 
der, wenn er auch den Hammer zu führen gewohnt ist, doch nie— 
mals im Nägelmachen Uebung hatte, wird, wenn er in einem be— 
sonderen Falle sich daran machen muß, sicherlich kaum im Stande 
sein, über zwei- oder dreihundert Nägel des Tages zu verfertigen
	        
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