Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

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feil einkaufen. Jeder Einzelne befolgt freilich auch bei dem geringsten 
Maße von Klugheit gerade die umgekehrte Regel, indem er den 
Ueberrest von Vortheilen um so sorgfältiger zu erhalten sucht, je 
zgrößer die Einbuße ist, die er durch fremde Schuld erlitten hat. 
Aber das Schutzzollsystem hat eben eine ganz eigene Logik. 
Wozu denn nun die Beschränkung der Freiheit, des Wohlstandes 
und des Genusses, die wir gegen uns selbst unternehmen? Sie soll, 
sagt man, schützende Handelsverträge mit anderen Staaten zu Stande 
bringen. Was die Handelsfreiheit nicht bewirken könne, weil sie 
den Nachbaren alle Vortheile umsonst einräumt, das müsse das 
Gegenrecht erzwingen, nämlich eine ungehinderte Ausfuhr gegen die 
Erlaubniß zur freien Einfuhr. Es handelt sich also einfach um die 
Frage, ob fremde Mauthlinien durch die Anwendung des Gegen— 
rechts geöffnet werden können. 
Aber jeder Staat bestimmt doch seine Handelsgesetzgebung nur 
nach eigenen Interessen, und dieselben Interessen, welche einmal 
Schutzzölle aufgestellt haben, sind auch immerfort wachsam und 
chätig, um die Schutzzölle zu erhalten und zu erhöhen. Darum 
find auch Handelsverträge ebenso erfolglos zwischen Mauthländern 
als überflüssig für handelsfreie Staaten; sie bestehen nur aus den 
Ergebnissen eines langwierigen und ärgerlichen Marktens zwischen 
den Sonderinteressen auf der einen und den Sonderinteressen auf 
der andern Seite, bei welchem der Geschicktere auf Unkosten des 
Begners zu gewinnen hofft, und das gewöhnlich die Förmlichkeiten 
bermehrt, ohne die Beschränkung wesentlich zu vermindern. 
Denken wir uns zwei Nachbarländer, die dem Schutzzollsystem 
huldigen. Das eine zeichne sich aus durch treffliche Leinwand, 
Wollenwaaren und Metallarbeiten, das andere sei weiter voran; 
geschritten in der Seiden- und Baumwollenfabrikation. Und nun 
sende jenes Land einen Abgeordneten an dieses zur Abschließung 
eines Handelsvertrags. Soll nun der Abgeordnete ermächtigt sein, 
für Leinwand, Wollenwaaren und Metallarbeiten Begünstigungen 
zu erkaufen, indem er den Zoll für diejenigen Industriezweige auf 
hebt, mit denen das andere Land glücklich econeurriren kann? 
„Nein! und immer Nein!“ werden die geschützten Seiden- und 
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