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Erstes Buch. Land, Leute und Technik.
58. Die Erdoberfläche, die Kontinente und Länder. Wenn wir die
Oberfläche der Erde, ihre verschiedene Gestaltung, Polhöhe und Erhebung, ihre gefamten
Kräfte und Schätze vom Standpunkte der wirtschaftlichen Zwecke betrachten, so ist
zunächst klar, daß sie eine begrenzte Raumfläche von 9,26 Mill. Quadratmeilen oder
509 Mill. qkm ausmacht, daß von dieser Fläche 2,5 Teile auf das nur für Verkehr
und Fischerei benutzte Wasser, 1 Teil auf das Land fällt, daß von dem Lande die
bewohn- und bebaubare Fläche auch nur einen Teil, selbst in den Kulturstaaten der
gemäßigten Zone teilweise nicht viel über die Hälfte ausmacht. Der ganze Norden
und der ganze Süden der Erde ist wirtschaftlicher Kultur fast unzugänglich; die Gebirge
sind es teilweise auch; Wüsten, wie die Sahara mit ihren 114 000 Quadratmeilen oder
6,27 Mill. akm und die Gobi mit 41 800 Quadratmeilen oder 2,8 Mill. qkm, begrenzen
die Lebensmöglichkeit ganzer Erdteile sehr. Und mag diese allgemeine Raumgrenze für
die kleine Zahl von Menschen primitiver und älterer Kultur scheinbar nicht vorhanden
gewesen sein, erscheint sie den Schwärmern für technischen und kolonisatorischen Fort—
scchritt oft heute noch als in unbegrenzter Ferne, auf den Höhepunkten der geschichtlichen
Entwickelung zeigte sich doch immer rasch das Ergebnis, daß die bekannte Welt besetzt
und geteilt war, und vollends die Gegenwart mit ihren Verkehrsmitteln und ihrem
zeographischen Wissen, mit ihren Millionenvölkern kann sich der Einsicht nicht ver—
schließen, daß die bewohn- und benutzbare Erde eine feste und so ziemlich verteilte, nicht
stark vermehrbare Größe sei. Die Stämme und Völker haben die Erdteile, die kleinen
Gruppen und Individuen die Länder unter sich geteilt und müssen stets diese Teile
oölker- und privatrechtlich festhalten, weil an Land, und zumal an gutem, entfernt nicht
jo viel vorhanden ist wie begehrt wird.
Die Erhebung der Erdoberfläche hat die Figur der Kontinente, d. h. der großen,
zusammenhängenden Ländergruppen, wie sie über das Meer emporragen, bestimmt. Es
ist eine Gestaltung, die in älteren Erdepochen eine andere war, auch jetzt noch steten
kleinen Veränderungen ausgefetzt ist, für unser geschichtliches Bewußtfein aber doch seit
Jahrtaufenden eine feste, kaum wandelbare Thatsache bildet. Aus den überwiegenden
Meeresflächen erheben sich die drei zusammenhängenden Weltteile Asien, Europa und
Afrika und weit getrennt von ihnen Amerika und Australien. Die nördliche Hälfte
der Erde hat fast dreimal so viel Land und achtmal so viel Menschen wie die südliche,
sie ist besonders im asiatisch-europäischen Teile stets der Boden der höheren Kultur
gewesen.
Asien umfaßt über ein Drittel des Bodens aller Kontinente; im Norden stellt es
eine ungeheure, vielfach unwirtliche Tiefebene, in der Mitte ein System höchster Gebirge
und ausgedehnter Hochplateaus, die schroff nach Süden, in Stufen nach Norden abfallen,
im Süden eine Reihe von Halbinseln und Inseln dar, welche in die heiße Zone hinein—
reichen. Die Gebirge und Hochebenen der Mitte haben bisher den Verkehr zwischen
Rord und Süd, Ost und West fast unmöglich gemacht und damit die ganze Geschichte
Afiens im Sinne eines Zurückbleibens der Kultur im ganzen bei reicher Entwickelung
des Südens und eigenartiger Rassenbeeinflussung durch die Mitte bestimmt hier ent—⸗
standen jene Nomaden- und Bergstämme, welche sich die Welt unterwarfen. Der ganze
Erdteil ist so vielgestaltig, daß die verschiedenartigsten Völker und Wirtschaftsformen
hier entstanden: Jagd⸗, Räuber-, Hirten⸗, Ackerbau- und seefahrende Völker, deren
Reibung und Mischung in Zusammenhang mit Klima, Tier- und Pflanzenwelt Asiens
die älteste Kultur erzeugte.
Auf eine Meile Küste hat Asien 115, Afrika 156, Europa nur 40 Quadratmeilen
Landes. Afrika ist also viel kompakter, Europa sehr viel gegliederter als Asien. Afrika
ist stromarm, im Süden Hochplateau und vielfach wasserlos, im NRorden Wuüste; nur
zeitweise und sporadisch hat es an seinem von Natur begunstigten Nordrand ein
ceicheres wirtschaftliches Leben erzeugt, während Europa durch seine Gestaltung und sein
Klima zum Mitielpunkte der neueren Kultur wunde. Fast ohne Wüste und Steppe,
ast ohne jene Hochgebirge, die gänzlich trennen, ohne viel Hochplateaus, von großen
Strömen aufgeschlossen, ein Hügel- und Stufenland mit reichen Ebenen, am gleich—