574 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
eigentlich den Umschwung schon einleitete. Der Herzog Viktor
Amadeus von Savoyen, nun ganz in der Hand seines fran—
zösischen Verbündeten, begann einzusehen und konnte schon an
einzelnen französischen Maßregeln feststellen, daß ein voller
Sieg seines großen Freundes nichts als die Unterdrückung
seiner Selbständigkeit bedeuten werde. So schlug er sich eben
zu dieser Zeit tapfer und klar auf die Seite der Großen Allianz,
wenn das auch für ihn zunächst den Verlust fast seines ganzen
Landes und die Beschränkung seiner Herrschaft auf Turin und
ein kleines, tüchtiges Heer zur Folge hatte.
Und auch später, nach dem Tage von Höchstädt, nahte
für Viktor Amadeus noch keineswegs alsbald die Erlösung;
das Jahr 1705 war in Oberitalien in unentschiedenen, den
Franzosen eher günstigen Kämpfen verlaufen.
Aber 1706 brachte eine andere, glücklichere Entscheidung.
Der neue Kaiser Joseph J. war entschlossen, dem treuen Bundes⸗
genossen zu Hilfe zu kommen und Turin zu entsetzen, England
zahlte, was dem Kaiser so bitter fehlte, Subsidien, und Prinz
Eugen übernahm das Kommando. Und nun führte der Prinz sein
Heer von der Berner Klause und dem Gardasee her in viel—
bewunderten Märschen, trotz aller Versuche des ihm gegenüber—
stehenden Herzogs von Vendome, seinen Vormarsch zu kreuzen,
so meisterhaft nach Westen, daß er tatsächlich, am 1. September
1706, zu Villa Stellone, südlich von Turin, seine Armee mit
dem savoyischen Heere zu vereinigen vermochte. Es war der
entscheidende Moment. Wenige Tage darauf fand dicht bei
Turin, zwischen den Bergen, die heute die stolze Grabkirche
des savoyischen Hauses, die Superga, tragen und der Stadt
die Schlacht statt, die binnen wenigen Stunden Savoyen be—
freite und das Heer der Franzosen vernichtete — ja die Herr—
schaft der Franzosen in Italien überhaupt aufhob: am 13. März
1707 hat Frankreich den Mailänder Räumungsvertrag unter—
zeichnen müssen, nach welchem alle spanischen oder französischen
Truppen, die noch auf italienischem Boden standen, das Land
in freiem Abzuge zu verlassen hatten.
Es war die Begründung der Herrschaft des österreichischen