Object : Rationalisierung als Kulturfaktor

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Wagner, der Altmeister der neueren Wiener Architektenschule, in seiner
„Baukunst unserer Zeit“ im Schlußkapitel:
„Fasse ich das in dieser Schrift Gesagte zusammen und versuche
ich ein Essentiale derselben in wenige Worte zu prägen, um den Bau⸗
kunstjüngern bei jeder Art des Schaffens den kürzesten und besten Weg
zum Ziele zu weisen, so würden diese Worte und die Reihenfolge
ihrer Anwendung wie folgt lauten:
r. Peinlich genaues Erfassen und vollkommenes Erfüllen des
Zweckes (bis zum kleinsten Detail),
2. glückliche Wahl des Ausführungsmaterials (also leicht erhaͤltlich,
gut bearbeitungsfähig, dauerhaft, okonomisch),
3. einfache und ökonomische Konstruktion — und erst nach Erwägung
dieser drei Hauptpunkte
4. die aus diesen Prämissen entstehende Form (sie fließt von selbst
in die Feder und wird immer leicht verständlich).“
Mehr und mehr wird von nun ab in der Architektur vollendete
Zweckmäßigkeit und künstlerische Vollkommenheit gleichgesetzt. „Der
Naturalismus in der Baukunst ist die Zweckmaßigkeit“, schreibt Karl
Scheffler in seinem Buche über „Messel“ (Seite 14) und Peter Behrens
rechtfertigt die Grundsaͤtze, nach denen er seine bahnbrechenden, auf
typische Lösungen eingestellten AEG-⸗vBauten in Berlin errichtet hat,
im Juni⸗Heft 1920 der Zeitschrift „Plakat“ mit folgenden Worten:
„Bei den Formfragen aller gewerblichen Anlagen handelt es sich
stets darum, aus dem Wesen der zu gestaltenden Dinge selbst ihren
Charakter zu schöpfen, den Typus zu ergründen, wie ja alle Kunst der
vergangenen Zeiten auch heute im Rückblick noch ihre erhabene
Größe dadurch offenbart, daß sie für die jeweilige Bestim⸗
mung typisch war. Das heißt nichts anderes, als auf alle Be⸗
dingungen, die eine Anlage den künstlerischen und technischen Mitteln
stellt, einzugehen, diese zu unterstützen, ja sie zum Grundsatz zu erheben
und diesen zum sichtbaren Ausdruck werden zu lassen.“

III. Rationalisierung und Kunst
            
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