Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Die Bewegungen in der Kaufkraft des Geldes können wir hier ziemlich 
unberücksichtigt lassen, weil wir im Alaun auf Grund seiner Geschichte 
und auf Grund seiner Verwendung einen Artikel vor uns haben, 
welcher bis ins 16. Jahrhundert Schwankungen in der Kaufkraft des 
Geldes bei der Preisbildung viel weniger unterliegt als Einflüssen aus 
monopolistischer Tendenz, und weil besonders im 19. Jahrhundert die 
Preisschwankungen des Alauns viel stärker sind als Wertveränderungen 
der Edelmetalle. Unter Berücksichtigung jener Kaufkraftschwankungen 
würden aber die Differenzen noch größer werden. 
Wir sehen vom 13. bis 15. Jahrhundert für den Alaun einen 
typischen Monopolpreis, wie er eben nur entstehen kann, wenn ein 
einziger Produzent konkurrenzlos das ganze weite Feld des Absatzes 
beherrscht. 1552 steigt der Alaun von 10 st. auf 40 fl., also auf das 
vierfache. Es ist das wahrscheinlich eines der letzten Preisdiktate des 
päpstlichen Monopols. Wir haben die Antwort auf diese Steigerung 
bereits gehört. 1554 wurde wahrscheinlich das erste deutsche Alaun 
werk begründet, dem dann andere im Auslande folgten. In den 
Rechnungen der Erlanger Weißgerber um die Wende des 17. Jahr 
hunderts wird merkwürdigerweise der Alaun nicht genannt, ebensowenig 
freilich wie die übrigen Gerbe- und Beizsubstanzen mit Ausnahme von 
Mehl und Eiern. Aus dem 17. bis 18. Jahrhundert liegen dann 
wieder Zahlen vor, und um die Wende des 18. Jahrhunderts sehen 
wir offenbar neben der Wirkung des Sperrzollsystems auch noch die 
Wirkung der Kontinentalsperre: Der Alaunpreis steigt um das Doppelte. 
Wir haben gehört, daß dies ein letztes Atemholen der deutschen Alaun 
industrie ermöglichte: Eine Art Monopol der kontinentalen Alaun 
industrie mit Ausschluß der englischen Konkurrenz. 1815 sinkt der 
Preis bereits auf 9 Gulden, 1834 3% Taler; dieser ungeheure Tief 
stand zwingt zur Kartellierung, die im Rheinland versucht wird, in 
Deutschland und Italien eintritt; 1842 tritt das Aluminiumsulfat auf 
den Plan mit einem Selbstkostenpreis von 2 Talern. In der Folge 
ist dann der Alaunpreis wieder etwas gestiegen, weil sehr viele Fabriken 
eingegangen waren, und weil infolgedessen trotz der gesunkenen Nach 
frage diese doch für das stark gesunkene Angebot noch groß genug war. 
1905 kostete der Zentner Aluminiumsulfat, welches noch dazu im 
Transport und in der Verwendung um genau 50 °/ 0 wirtschaftlicher sich 
erweist als der Alaun, um Mark oder um 33°/« weniger als dieser. 
Noch ein Punkt sei hier berührt, nämlich der Einfluß der distri 
butiven Gewerbe auf die Preisbildung. Es liegt hierfür eine Unter 
suchung vor von van der Borght für die Jahre 1855—1879 Z: 
0 van der Borght 1888, S. 238.
	        
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