Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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§  5.  Vegetabilische  Gerbstoffe.
Eine  zweite  Reihe  von  Gerbstoffen  faßt  man  zusammen  unter  dem
Namen  der  vegetabilischen  Gerbstoffe.  Sie  werden  vegetabilische  genannt,
weil  sie  ausschließlich  in  Pflanzenteilen  vorkommen,  so  in  der  Rinde,
in  den  Blättern,  in  Früchten,  im  Zellsafte,  eingelagert  in  die  Zellmembranen, ­
  in  Auswüchsen  als  sog.  pathologische  Gerbstoffe,  bei  vielen
Bäumen  auch  im  Holzkörper.  Ihre  Bildungsbedingungen  sind  unbekannt ­
  ;  es  ist  für  uns  wichtig  zu  konstatieren,  daß  die  reine  Gerbsäure
«inen  nur  sehr  schwachen  Geschmack  besitzt  und  nicht  färbt;  aber  fast
stets  werden  die  Gerbstoffe  von  Bitterstoffen  und  dann  noch  von  meist
bräunlichen,  gelblichen  oder  rötlichen  Farbstoffen  begleitet.
Die  Kenntnis  dieser  Gerbstoffe  ist  sehr  alt,  schon  im  Altertum
kannte  man  die  Rinde  der  Kiefer,  der  Erle,  des  Granatapfelbaumes,
auch  Galläpfel  Z  und  Eicheln 2 ).  Es  ist  wichtig,  daß  die  Alten  schon
den  Sumach  als  Gerbstoff  gekannt  haben  3 ),  er  wird  unter  dem  Namen
fiovg  schon  von  Solon  am  Anfang  des  6.  Jahrhunderts  erwähnt,  seine
Beeren  bildeten  ein  Gewürz,  und  seine  Blätter  dienten  zum  Gerben^).
Es  ist  besonders  das  sumachgare  Leder  durch  helle  Farben  ausgezeichnet,
weil  die  Blätter  nur  wenig  Farbstoffe  enthalten;  deshalb  hat  Sumach
in  der  Folge  auch  immer  Verwendung  zu  feineren  Ledersorten  gefunden;
die  Araber  haben  die  Sumachgerbung  schon  vorgefunden  und  sie  wahrscheinlich ­
  in  die  von  ihnen  eroberten  Länder  verpflanzt  °).  Danach
bedarf  die  Bemerkung  Karmarschs,  wonach  der  Sumach  erst  in  der
zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  in  Gebrauch  gekommen  fei 6 ),  der
Berichtigung.
Im  alten  Ägypten  bediente  man  sich  unter  anderem  wahrscheinlich
der  Frucht  von  Mimosenarten  7 ),  vielleicht  der  Mimosa  nilotica  L. 8 ),
worauf  Theophrast 8 )  hinweist;  auch  Akanthus")  soll  nach  Strabo  in
Ägypten  benützt  worden  sein.
Auch  sonst  ist  die  Bekanntschaft  mit  dieser  Art  Gerbstoffen  alt,  so
kannten  die  Chinesen  die  Galläpfel"),  in  Indien  gerbte  man  mit  Baumrinden ­
  12 )  und  in  Ungarn  mit  Erlenrinde  13 ).  Zur  Herstellung  von
Juchten  bediente  man  sich,  soweit  unser  Wissen  znrückreicht,  hauptsächlich
ff  Vgl.  Plin.  hist.  nat.  16,  6;  Beckmann  1794,  Bd.  I,  S.  367,  372ff.,  379ff.
°)  Bliimner  1875,  Bd.  I,  S.  261.
s)  Berliner  Berichte  1898,  Nr.  18,  4.  Beilage.
*)  Hehn  1911,  S.  428.  ff  Berliner  Berichte  1898,  Nr.  18,  4.  Beilage.
«)  Karmarsch  1872,  S.  581.  ff  Heinzerling  1882,  S.  1-ff
  Bücher  1893,  S.  191-192.  ff  Theophrast  IV,  S.  2,  8.
'ff  Gerberzeitung  1884,  S.  202.  u )  Schönmanns  Journal  1890,  Nr.  23.
l2 )  Magyar  Böripar  1904,  Nr.  8.  13 )  Pelzer  1837,  S.  230.
            
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