Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 7 
Fortschritte. Sehen wir hier noch von den Zusammenhängen 
ab, welche durch die Aufnahme fremder und Ausgabe eigener 
Kulturelemente bedingt wurden, wie sie seit der Entwicklung 
der Geldwirtschaft und des Verkehrswesens beständig stieg, 
sprechen wir auch nicht von der erst jetzt auftretenden Ent— 
faltung solcher nationaler Lebenserscheinungen, die, wie die 
freie Wissenschaft, an sich internationalem Charakter zustreben: 
was hatten in dieser Hinsicht nicht allein die Reformation und 
das Kaisertum Karls V. gewirkt! Die eine zwang weit mehr 
als bisher, den Blick anfangs nach Italien, dann nach den 
Ländern der Reformation außerhalb Deutschlands zu richten, 
die andere schob Spanien und die Maureskenstaaten in den 
Gesichtskreis der deutschen Politiker. 
Von dauernderer Wirkung waren freilich auch hier die er—⸗ 
weiterten Verkehrsbeziehungen. Nicht nur, daß sie zu innigerer 
Beziehung der europäischen Staaten untereinander beitrugen, 
wie sie sich in der zunehmenden Zahl ständiger Gesandtschaften 
an den einzelnen Höfen aussprach: sie drängten auch den 
Einzelnen ganz unmittelbar einem internationalen Horizonte zu. 
Das einfachste Werkzeug der Vermittlung, an dem man auch 
den Fortschritt am klarsten bemessen kann, waren hier die 
Zeitungen. 
Gewiß hat es auch im Mittelalter schon einen Nachrichten— 
verkehr gegeben, den man als Vorläufer der Zeitungen be— 
trachten kann. Aber wie unvollkommen war er, mochte es sich 
nun um jene Lieder und Gedichte in Reimpaaren handeln, die 
einzelne große Ereignisse behandelten und, nach der Erfindung 
Gutenbergs bald gedruckt, noch bis zum Ende des Dreißig- 
jährigen Krieges häufig blieben, oder um die Nachrichten, 
welche in den Predigten namentlich der Bettelmönche durchs 
Land liefen. Wie wenig solche Vermittlung des Neuesten 
namentlich international eintrug, zeigt der räumlich so außer— 
ordentlich, in den meisten Fällen sogar einseitig auf Süd- oder 
Norddeutschland begrenzte Gesichtskreis unserer spätmittelalter— 
lichen Chroniken. 
Das eigentliche Zeitungswesen hat sich doch erst aus der
	        
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