Object: Rationalisierung als Kulturfaktor

II. Rationalisierung und Ethik — 153 
um davon leben zu können. An einer anderen Stelle seines 
Buches heißt es mit Bezug auf die Erfahrungen, die er selbst und seine 
Betriebsführer in Hinsicht auf die Neigungen oder Abneigungen der 
Arbeiterschaft zur monotonisierten Arbeit gemacht hätten: „Die bei 
weitem überwiegende Majoritaät jedoch will dort bleiben, wo sie hin⸗ 
gestellt ist. Sie will, daß man in jeder Beziehung für sie handelt und 
ihr die Verantwortung abnimmt“ (S. 116). Kaum mehr als fünf 
Prozent der Lohnarbeiter seien bereit, die mit einer Lohnerhöhung 
verbundene erhöhte Verantwortung und Arbeitsmenge auf sich zu 
nehmen. Selbst die Zahl jener, die sich zu Gruppenführern erheben 
möchten, betrüge nur 25 Prozent, und die Mehrzahl von ihnen erkläre 
sich nur deshalb hierzu bereit, weil die Bezahlung eine bessere sei als 
an der Maschine. 
Auch aus den Reihen der Arbeiterschaft sind abfällige Meinungs⸗ 
aͤußerungen über die entseelende Wirkung der Arbeitsteilung selten. 
Soweit sie, meist in Antworten auf Enqueten sozial interessierter 
Literaten oder Gelehrter, erfolgt sind, geschah dies vor allem im Hin⸗ 
blick auf das Verhältnis des Menschen zur Maschine. Hierbei 
— 
der qualifizierten Arbeiterschaft, der in der Werkgestaltung, im Arbeits⸗ 
vorgang als solchem, in psychischer Hinsicht noch zum Ausdruck seiner 
selbst, zur Gestaltungs⸗ und Lebensbefriedigung zu gelangen vermag, 
die innerlich „berufsfremd“ gebliebene Masse der Arbeiterschaft, die 
ihre Arbeit nur um des Erwerbs willen verrichtet, und schließlich das 
Gros jener gelernten und ungelernten Arbeiter, die zum mechanischen 
Arbeiten geboren sind und solche Arbeit geradezu suchen. 
Zu einer ahnlichen Einteilung ist der Psychologe Herbert Wunderlich 
in seinen Untersuchungen über die Arbeitsmonotonie gelangt*). Er 
unterscheidet einen „Ganzheitstypus“, dem er den Typus des Schyzo⸗ 
x) Die Einwirkung einförmiger zwangsläufiger Arbeit auf die Persönlichkeits— 
struktur (Schriften zur Psychologie der Berufseignung und des Wirtschaftslebens. 
1925, Seite 43).
	        
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