thumbs: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 531 
Aber auch indem die Dynastie katholisch blieb, ergaben 
sich schwere Folgen für die innere politische und staatsrechtliche 
Lage. 
Die Stände, an sich schon in gewissem Sinne die Anti— 
poden der Dynastie, wurden jetzt ausgesprochene Träger auch 
der evangelischen Bewegung unter der allgemeinen Sympathie 
der Bevölkerungen; Herren und Bürger unter den Ständen 
fanden sich gerade in diesem Punkte aufs engste zusammen, und 
zu der bisherigen politischen Spannung zwischen Ständen und 
Fürst kam die religiöse. Ja mehr. Bei der Bedeutung der 
religiössen Fragen im 16. Jahrhundert nahm die religiöse 
Spannung die politische in sich auf: der Ruf: hie Stände, hie 
Fürsten wich dem Rufe: hie Evangelium, hie alte Kirche und 
Papst. 
So wurde denn der Bestand und — unter dem Beistand 
der alten Kirche — die Bekämpfung der lutherischen Lehre 
zum Prüfstein des Machtverhältnisses zwischen Fürsten und 
Ständen: waren diese evangelisch, so ist die Gegenreformation 
zu einem Werke vornehmlich fürstlich-absolutistischer Bestrebungen 
geworden, so sehr auch die Fürsten, die sie durchführten, zugleich 
gläubige Katholiken gewesen sind. 
Die Gegenreformation fiel in den österreichischen Erblanden 
zunächst in die Zeiten der getrennten drei Linien (164 51619), 
der kaiserlichen, die in den eigentlichen Stammlanden an der 
Donau, und der beiden anderen, die von Graz und Innsbruck 
aus herrschten. Sie verlief demgemäß anfangs nach diesen 
Ländern getrennt und darum verschiedenartig. 
Am folgerichtigsten wurde sie in Tirol durchgeführt. Hier 
traf zusammen, daß Erzherzog Ferdinand II. ein überaus 
entschiedener Katholik war, und daß keine äußeren Gefahren 
den Einfluß der Stände stärkten und dem Werke der Ver— 
treibung der Protestanten — denn hierauf lief die Gegen— 
reformation wenigstens für die besseren Schichten des Volkes 
zumeist hinaus — hindernd entgegentraten. 
Weniger entschieden gelang die Unterdrückung des Pro— 
testantismus in Steiermark, Kaärnten und Krain: denn hier
	        
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