Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 529
Was aber die Finanzverwaltung angeht, so verliefen da
die Dinge im Grunde noch schlimmer. Gewiß gab es eine
der ständischen parallel laufende fürstliche Finanzverwaltung
für die vielen indirekten Steuern, die die Herrscher unabhängig
von den Ständen auf Grund alter Reichsprivilegien erhoben.
Aber sie war und blieb heillos zerrüttet, trotz aller Bestrebungen,
sie besser zu organisieren. Schon Kaiser Maximilian J. kam
hier nicht vorwärts, da er schwer verschuldet war; selbst der
Umstand half nicht, daß er einen Teil seiner Einkünfte 1502
durch den Gossembrotschen Vertrag geradezu unter Sequester
stellte. Und ein Jahrhundert später ist die Lage noch genau
dieselbe. Ein Vortrag Khlesls an Kaiser Matthias vom Jahre
1618 beginnt mit den verzweifelten Worten: „Allergnaedigfter
Khayser und Herr, ich schreie immerzue Kammer, Kammer,
Kammer, sonst sein wier, so wahr Gott ist, ruiniert.“ Und
wieder ein Jahrhundert später (17038) meinte Prinz Eugen
bitter: „Ja wenn die ganze Monarchie auf der äußersten Spitze
stehen und wirklich zugrunde gehen sollte, man aber nur mit
50000 fl. oder noch weniger in der Eile aufhelfen könnte, so
müßte man es eben geschehen lassen und vermöchte dem Übel
nicht zu steuern.“
Auch aus diesen Außerungen erhellt immer wieder derselbe
Grund, warum man auch in der Ausbildung der fürstlichen
Finanzverwaltung nicht vorwärts kam: man hatte heillose
Schulden, mußte zu den schnödesten Wucherzinsen leihen und
wurde in der Verwaltung schwer betrogen. War dem aber
so: wie hätten da die fürftlichen Landesverwaltungen die
ständischen matt setzen sollen?
So versagte auch dies letzte Mittel: und für das 16. und
17. Jahrhundert darf man es aussprechen, daß die Dynastie
die Macht der Stände aus eigenen Mitteln niemals hätte
brechen können, und daß es ihr darum um so weniger möglich
gewesen wäre, über den Willen der Stände hinweg die Länder
zu einem Gesamtstaat zu vereinigen.
Da wurde dem Herrscherhause von einer mächtigen Seite
her geholfen: von der alten Kirche. Die Gegenreformation