136 Sechstes Buch. Erstes Rapitel.
Zu den sächsisch-fränkischen Schwierigkeiten gesellten sich,
abgesehen von Slawenaufständen, Wirren in Baiern. Herzog
Arnulf war am 14. Juli 937 gestorben; seine Söhne wollten
selbständig regieren und verweigerten dem Könige die Huldigung.
In diesem Zusammenhang begann Thankmar offene Feind—
seligkeiten. Er brachte den jugendlichen Bruder Ottos, Heinrich,
in seine Gewalt; er übergab ihn an Eberhard zu festem Ge—
wahrsam und setzte sich in der Eresburg im Hessischen fest.
Rasch dämpfte Otto diese erste Bewegung. Er eroberte die
Eresburg; Thankmar, der schutzsuchend in die Burgkapelle ent—
wichen und Schwert und goldne Kette des Königssohns dem
Altare anvertraut hatte, starb, von der Lanze eines sächsischen
Kriegers durchbohrt, am 28. Juli 938.
Aber nun strebte der junge Heinrich, als der erste im
Purpur Geborne, selbst nach der Krone: mit Eberhard verband
er sich gegen den Bruder: der Zwist zwischen Franken und
Sachsen erweiterte sich zum offenen Thronstreit innerhalb der
herrschenden Familie. Zugleich trat wohl schon jetzt Herzog
Giselbert von Lothringen auf Seite des Prätendenten. Ein
neuer Kampf drohte; es war ein besonders glücklicher Zufall,
daß es Otto noch vor seinem Ausbruch gelang, in Baiern Ruhe
zu schaffen. Die herrschenden Arnulfinger wurden abgesetzt; das
Herzogtum kam an Berhtold von Kärnten, den Oheim der
Söhne Arnulfs, doch zog der König die Verfügung über das
Recht der Bistumsbesetzung wie die königlichen Pfalzen nun—
mehr an sich. Es war ein erster Erfolg Ottos hinaus über
die Politik seines Vaters.
Im Jahre 989 brach dann die drohende Empörung Hein—
richs, Eberhards und Giselberts los. Heinrich rief die Sachsen
zum Widerstand auf und warf sich nach Lothringen, jetzt dem
Mittelpunkt des Aufruhrs. Indes das Heer des Königs be—
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xXanten; kurz darauf schloß er mit Heinrich einen dreißig—
tägigen Waffenstillstand. Doch bald finden wir diesen wieder
in Lothringen, wohin ihm der von den Feinden der sächsischen
Ostgrenze bedrängte König nicht zu folgen vermochte; eine zweite