140 Sechstes Buch. Erstes Kapitel.
Kräfte, und alsbald hatten sie eine thatkräftige äußere Politik
zur Folge.
III.
Die äußere Politik des sächsischen Hauses hatte unter
Heinrich J., abgesehen von der Auseinandersetzung mit dem
Reiche der Westfranken, fast ausschließlich den Slawen gegolten;
nach Osten richtete auch Otto der Große unverwandt den
Blick. Hatte Heinrich J. zunächst die slawischen Angriffe lahm
gelegt, hatte er tributäre Verhältnisse für die Elbssawen wie die
Cechen durchgeführt, so begründete Otto eine festere Botmäßig—
keit und erzwang der westeuropäischen Kultur durch das Mittel
der Christianisierung, dem germanischen Leben durch das Mittel
der Kolonisation Eingang.
Diese Ziele waren nur durch Abdrängung der heidnischen
Dänen vom slawischen Ostseegebiet und durch Erzwingung vollen
Friedens mit den Cechen zu erreichen. Darum hatte Heinrich
erfolgreich in Böhmen gekämpft und die schleswigsche Mark be—
gründet.
An beiden Punkten war gegen Schluß der Regierung Hein—
richs eine Wendung zum Schlimmern eingetreten. In Böhmen
wurde der heilige Wenzel von seinem Bruder Boleslaw am
28. September 935 ermordet; noch zeigt man im Dom des
Prager Hradschin den Helm des Heiligen mit dem emaillierten
Bilde des Gekreuzigten in der deutsch-ornamentalen Auffassung
des 10. Jahrhunderts: ein Sinnbild gleichsam germanischer Be—
kehrung und Befruchtung. Nach Wenzels Tode fiel das Volk vom
Christentum wie vom Reiche ab; vergebens versuchte Otto eine
Anderung herbeizuführen: die deutschen Heere wurden geschlagen.
Erst um die Mitte des Jahrhunderts wurde das Verhältnis der
Cechen zum Reiche wieder günstiger geordnet.
Eine ähnliche Wendung, wie in Böhmen, erfolgte in Däne—
mark. Hier wie in den andern nordischen Reichen begann um
diese Zeit eine gleichmäßig fortschreitende staatliche Entwickelung.
Die kleinen Seekönigreiche schieben sich zu Großstaaten zusammen;
der alte Geburtsadel wird ausgestoßen und zieht gen Süden,