Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Gründung des dentschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 148 
unter den Germanen des Nordens. Den drei Bistümern folgte, 
wohl im Jahre 968, ein viertes zu Oldenburg im Osten Hol—⸗ 
steins, im wagrischen Lande. 
Mit der Verbreitung des Christentums ging, wenigstens 
im Slawenlande, die Verbreitung und Befestigung deutschen 
Wesens Hand in Hand. Die Gebiete deutschen Einflusses 
zwischen Elbe, Saale und Oder wurden in Grafschaften zerlegt; 
968 werden die Marken Zeitz, Merseburg und Meißen genannt; 
als Hauptorte erscheinen die Burgstädte der einzelnen Stämme; 
die Marken zerfielen in Gaue, diese wiederum in Burgwart⸗ 
schaften, Bezirke vornehmlich militärischen Charakters, in deren 
Mittelpunkt ein Burggraf auf festem Hause waltete. Es war 
ein System zunächst kriegerischer Besetzung; unter seinem Schutz 
ergoß sich die deutsche Einwanderung in freien Zügen in das 
slawische Land. 
Die slawischen Häuptlinge waren im Besitz alles Landes 
gewesen, das nicht der slawische Volksgenosse nach dem alten 
System der Haus- und Familiengemeinschaft bebaute. Dies 
Land, weitaus der größte Teil aller Bodenfläche, ward nunmehr 
zu Handen des deutschen Königs konfisziert, verfront; aus 
seinen Erträgen wurde die Verwaltung und die militärische 
Besetzung des Landes bestritten, und vielfach ging es in den 
Besitz deutscher Ansiedler, Adliger wie Bauern, über. So be— 
gann, zunächst außerhalb der alten slawischen Orte, die Ger— 
manisierung des Landes. 
Aber die deutsche Hand griff auch hinein in die slawischen 
Familiendörfer. Wer von den Slawen im Felde gefangen 
ward, der wurde niedergemacht oder als Kolonist in sächsisches 
Rottland jenseits der Elbe verpflanzt; nie fast sah er die 
Heimat der Väter wieder. An seiner Statt zog ein Sachse in 
die verlassene Stelle des Dorfes, und bald richteten sich solche 
Deutsche in Haus und Flur nach ihrer Weise ein. 
Es sind Vorgänge, die sich bald vereinzelt, bald massen— 
hafter seit Mitte des 10. Jahrhunderts durch einige Genera— 
tionen hinziehen; in ihnen werden zunächst die Gegenden un— 
mittelbar östlich der Saale und Elbe dem deutschen Wesen er— 
öffnet.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.