Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

150 Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
zu zwingen!, um ihre vermeintlichen Ansprüche auf das Reich 
mit denen seines Hauses zu vereinigen. 
In diesem Augenblick griff König Otto ein. Er konnte 
die Initiative jenseits der Alpen nicht mehr, wie sein Vater, 
den süddeutschen Herzögen überlassen, mochten sie seine Ver— 
wandten sein oder nicht. Die Zeitgenossen sagen, er habe nach 
der italienischen Krone gestrebt. Jedenfalls schuf er sich ein 
staatsrechtlich zweifelhaftes, menschlich überaus starkes und 
darum volkstümliches Argument für seine Einmischung, indem 
er als Freier Adelheids, der schönen, grausam gequälten Witwe, 
auftrat. 
Im Herbst 951 ging er über die Alpen; es war ein fast 
unblutiger Siegeszug. In Pavia empfing er am 28. September 
die Huldigung der Großen des Landes; noch vor Weihnacht 
feierte er das Beilager mit Adelheid, die sich inzwischen in 
kühnem Wagen selbst befreit hatte. Wie im Traum folgten 
sich die Ereignisse; beinahe mühelos war Otto Langobarden⸗ 
könig geworden. 
Für Liudolf von Schwaben waren es bittre Wirklichkeiten. 
Mochte Friaul bei Baiern bleiben, so war das Centrum Ober⸗ 
italiens dem Reiche zugefallen, für Schwaben und somit zu— 
nächst auch für ihn verloren. Sein Oheim Heinrich, der ihm 
die ersten kriegerischen Lorbeeren in Italien zerpflückt, der, von 
verletzendem Witze, nur zu leicht fremdes Unglück verhöhnte, 
hatte gesiegt. Sein Vater, der König, war eine neue Ehe ein— 
gegangen: sollten etwa gar deren Sprossen ihn dereinst an 
Ehre und Würden, ja in der Nachfolge am Reich überholen, 
wie Otto den Erstgeborenen König Heinrichs, Thankmar, über— 
flügelt hatte? 
Ohne Urlaub des Königs ging Liudolf aus Italien nach 
Schwaben zurück, mit ihm Erzbischof Friedrich von Mainz, 
ein grundsätzlicher Gegner der königlichen Kirchenpolitik auf 
jenem ersten Bischofssitze des Reichs, dessen allzu große Be— 
deutung Otto schon seit längerer Zeit durch Übertragung der 
Bgl. Dümmler, Otto der Große, S. 191 Anm. 1; Fietz, Geschichte 
Berengars, S. 22.
	        
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