Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des KNaisertums 151
wichtigsten Geschäfte der Reichsverwaltung an seinen Bruder
Brun zu brechen versucht hatte.
König Otto hatte nach den raschen Erfolgen in Oberitalien
alsbald das Kühnste erhofft: die Kaiserkrone schien ihm zu
winken. Jetzt wurde sein Heer durch den Abmarsch Liudolfs
geschwächt; Alberich von Rom, der dem Ereignis der Kaiser—
krönung mit Schrecken entgegengesehen hatte, wagte zu trotzen,
Papst Agapit II. weigerte dem königlichen Bittsteller die Krone.
Otto vermochte demgegenüber nichts; er ging nach Deutsch-—
land zurück, schweren Ereignissen entgegen.
Liudolf hatte sich nach Saalfeld im Thüringischen begeben;
er kannte die weitgärende Unzufriedenheit unter dem sächsischen
Adel, hier suchte er Bundesgenossen der Empörung. Unerwartet
erhielt er noch außerhalb Sachsens einen wichtigen Helfer, den
Herzog Konrad von Lothringen. Konrad war von König Otto
in Italien zurückgelassen worden, um Berengars Herrschaft
vollends zu stürzen. Es war ihm gelungen, Berengar gefangen
zu nehmen, und er hatte mit ihm bestimmte Bedingungen
künftiger Unterherrschaft unter der Oberherrlichkeit des deutschen
Königs vereinbart. Diese Bedingungen verwarf Otto als zu
günstig für Berengar; strengere traten an die Stelle; gleich—
zeitig mußte Berengar die schönen Marken Istrien, Aquileia,
Verona und Trient, das ganze alte Herzogtum Friaul, an Baiern
abtreten; Konrad ging unbedankt von dannen. Wie so oft im
früheren Mittelalter aus Vorkommnissen persönlichster Natur
politische Entschlüsse geflossen sind, so scheint sich Konrad aus
persönlicher Erbitterung auf Seite Liudolfs gestellt zu haben.
Vor Ostern 953 geriet der König, obwohl gewarnt, völlig
in die Fallstricke der Verschwörer. In Mainz legten ihm,
waffenlos, wie er war, Liudolf und Konrad unter der Ver—
mittlung des Erzbischofs Friedrich Bedingungen der Unter—
werfung auf, die er sogleich, nachdem er in Sachsen freier Herr
seines königlichen Willens geworden, als erzwungen widerrief.
Und nun begannen allenthalben die offenen Bewegungen.
Liudolf und Konrad wurden ihrer Herzogtümer entsetzt;