Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 153
in Oberitalien gebüßt; doch vorzeitig erlag er dem italienischen
Klima, am 6. September 957.
Zu unterwerfen blieb jetzt nur noch Baiern: schon im
Jahre 955 vermochte Otto nach der Einnahme Regensburgs
das Land seinem Bruder Heinrich von neuem zu überweisen.
Zugleich aber zeigte er noch im gleichen Jahre eben den Baiern,
dem selbständigsten Stamme des Reiches, daß nur im Reichs—
verbande das Schicksal der Stämme gesichert sei.
Von neuem fielen die Ungarn ein; die Baiern vor allem
hatten die Kosten des Raubzuges zu tragen, bis sich die Haupt⸗
macht des Feindes in der Gegend von Augsburg lagerte. Hier,
auf dem Lechfelde, trat ihnen Otto mit der gesamten Macht
des Reiches, ausgenommen die in slawischer Grenzhut beschäftigten
Sachsen, entgegen. Am Tage des hl. Laurentius, am 10. August
55, kam es zu einer der größesten Schlachten des Jahrhunderts.
Die Ungarn wurden völlig besiegt; was die Schlacht überlebte,
ward von der erbitterten Bevölkerung Ostbaierns fliehend zu—
sammengehauen.
Es war das Ende der Ungarnkriege für Deutschland, für
Europa; schon die Zeitgenossen haben das Ereignis in seiner
universalen Bedeutung mit der Schlacht von Tours und Poitiers
verglichen; von nun ab war die europäische Kultur geschützt
vor der Bedrohung durch die Heiben des Ostens.
Für Deutschland aber bedeutete der große Erfolg noch
mehr. Das germanische Element begann sich jetzt jenseits der
Enns einzuführen; die bairische Ostmark, die Anfänge gsterreichs
wurden entwickelt als ein Gegenstück zu den rechtselbischen
Slawenmarken des Nordens: beide deutsche Großstaaten der
Gegenwart können ihre Anfänge bis auf Otto zurückleiten.
Zugleich werden die Ungarn nun seßhafter, obschon sich ihre
Scharen noch eine Zeitlang donauabwärts ergossen; durch
christliche Missionsthätigkeit von Passau her gewinnt das sprach⸗
fremde Volk allmählich Zusammenhang mit der europäischen
Völkerfamilie, bis ums Jahr 1000 von Stephan dem Heiligen
ein erstes ungarisches Reich nach Art westlicher Verfassungs—
bildungen begründet wird.