Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 165
ihn die Notwendigkeit, das Papsttum zu beherrschen, doch
immerhin nach Unteritalien getrieben: und hier war er mit der
christlichen Universalmacht des östlichen Mittelmeerbeckens, mit
Byzanz, in Berührung getreten. Die Beziehungen waren nach
einigen Zwischenfällen freundlich georonet worden; Byzanz, ob⸗
wohl Deutschland an Kultur unendlich überlegen, befand sich
doch schon in absteigender Linie der Entwicklung, und eben
jetzt folgten auf Johann Tzimiszes, der sich tapfer mit Syrern,
Bulgaren und Russen herumgeschlagen, fast ohnmächtige Herr—
scher, Basilius II. und Konstantin VII.
Dagegen war seit Ottos Tode die Gefahr von seiten der
Sarazenen außerordentlich gewachsen. Zwar war das Kalifat
schon gespalten, einst die erste nichtchristliche Weltmacht des
Mittelmeers; der Kalif begnuͤgte sich jetzt mit geistlicher Würde,
und auch seinem Emir al Omra war die militärische Ober—
gewalt über alte Gebiete des Islam entfallen; überall hatte
das rege lokale Leben einer reichen Civilisation partikulare
Fürstentümer und Stadtrepubliken entwickelt. Aber von ihnen
war eben das Italien nächstliegende Fürstentum, das der Fati—
miden Nordafrikas, seit dem Beginn des 10. Jahrhunderts in
ständigem Aufsteigen zu neuer Großmacht begriffen. Seit
909 und 921 beherrschte die Dynastie außer dem heutigen
Tunis und Tripolis auch Algier und Marocco; 969 eroberte
sie Ägypten und gründete Kairo; längst schon war sie in Si⸗
zilien heimisch, bis sie im Herbst 964 die Griechen für immer
vertrieb; seitdem dehnte sie ihre Begehrlichkeit auch auf Unter—
italien aus; seit 9760 nahmen die Eroberungsversuche in dieser
Richtung unter dem kräftigen Emir Ab⸗-⸗ul-Kasem immer höheren
Aufschwung.
So wurden die Provinzen Apulien und Calabrien zum
Treffpunkt und Zankapfel aller Universalreiche der weltgeschicht—
lichen Bewegung des 10. Jahrhunderts; Germanen, Byzantiner
und Sarazenen begannen um sie zu streiten, denn in ihrem
Besitz lag der Schlüssel zu den Thoren Mitteleuropas, zu
den byzantinischen Meeren, ja zu den Ländern des Morgen—
landes. Vor den großen politischen Möglichkeiten, die