Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 167 
hinderten wüste Parteiungen jede Einheit der Abwehr; um so 
mehr hatte der Kaiser einzutreten. 
Im Jahre 982 zog er mit einem trefflichen Heere zunächst 
gegen die Griechen, die mit den Sarazenen verbunden waren; 
ohne Schwierigkeiten nahm er Tarent ein: um Ostern war ganz 
Apulien in seinen Händen. Nun zog der Kaiser der südlichen 
Meeresküste entlang, vorbei an mächtigen Resten der antiken 
Kultur, nach Calabrien; bei Rossano schlug er die Araber aufs 
Haupt, bei Colonne verwickelte er sie in eine furchtbare Nieder— 
lage; 40 000 griechische und sarazenische Streiter sollen gefallen 
seint, unter ihnen Ab-ul-Kasem, der Feldherr. Der Erfolg 
schien gewonnen; eilfertig rückte Otto den geschlagenen Scharen 
nach. Da fielen die Araber, wiederum gesammelt, aus den 
Bergen auf die Deutschen herab; ein entsetzliches Morden be— 
gann; das abendländische Heer ward aufgerieben, kaum der 
Kaiser entkam; weder das genaue Datum noch der Ort der 
Niederlage ward der Geschichtschreibung der Zeitgenossen ver— 
mittelt?. 
Des kaiserlichen Bleibens war im Süden nicht mehr: 
Otto entwich nach Capua, nach Rom. Aber er gab seine Sache 
nicht verloren. Und im deutschen Teile seines Reiches herrschte 
treue und einmütige Begeisterung bei aller Trauer; die Stämme 
standen Eines Sinnes zum Herrn; die Feuerprobe großen Un— 
glücks bewährte sich; die Großen, vornehmlich die Bischöfe, 
nicht der Kaiser, schlugen zuerst rasche Verständigung für einen 
neuen Feldzug vor. 
So trat ein Reichsstag zu Verona zusammen, Juni 983. 
Er brachte eine neue unitarische Maßregel. Otto III. der drei⸗— 
jährige Sohn des Kaisers, ward zum Nachfolger seines Vaters 
gewählt nicht bloß von den deutschen, sondern auch von den 
italischen Großen, und nicht auf fränkischer Erde; krönen sollten 
den Erwählten von Verona zu Achen die Erzbischöfe von Mainz 
So Lup. protosp. 981, 88. 5, 55. 
Den Eindruck der Niederlage giebt am besten Brun. V. Adalb. 
c. 10 (88. IV, 598) wieder: stratus ferro cecidit flos patriae purpureus, 
deécor Havae Germaniae, plurimum dilectus augusto caesari.
	        
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