Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
und Ravenna. So verschmolzen Italien und Deutschland zu 
Einem Reiche wenigstens in der Wahl ihres künftigen Herrschers. 
Dem Kaiser aber war es mit dem Krieg gegen Griechen 
und Islam Ernst auf Leben und Tod. Er schickte seinen Sohn 
nach Deutschland und ernannte die greise Kaiserin Adelheid 
zur Statthalterin Italiens. Er bot die venetianische Flotte 
auf, er führte ein gewaltiges Heer nach Süden. Da erfaßte 
ihn ein vorzeitiges Schicksal; achtundzwanzigjährig starb er, an— 
geblich gleichwohl schon lebenssatt, zu Rom am 7. Dezember 9883. 
Es war ein furchtbarer Schlag, wie ihn die Nation nur 
noch einmal in verwandter Weise, beim Tode Kaiser Hein⸗ 
richs VI., erlebt hat. Und wenn damals ein zeitgenössischer 
Geschichtschreiber die Deutschen aufforderte, ewig zu weinen 
um das Schicksal des großen Staufers, der die Nation zum 
Höchsten geführt haben würde, so geht im Jahre 983 ein 
dumpfer Ton fatalistischer Trauer durch die deutsche Welt: 
movit multorum corda ineffabilis dolors. 
Der Rückschlag der unteritalischen Niederlagen, die nun 
ungerächt blieben, wie des Todes Ottos II. unter Hinterlassung 
der Herrschaft an ein dreijähriges Kind schien alle Errungen⸗ 
schaften einer großen Zeit in Frage stellen zu sollen. 
Während jenseits der westlichen Grenze, in Frankreich, die 
Zeit heraufkam, da sich eine neue einheimische Dynastie erhob, 
zwar anfangs schwach, aber zu großer Zukunft geboren, brach im 
Osten der UÜbermut der Slawen in furchtbaren Aufständen los. 
Die Cechen und südlichen Elbslawen drangen weit ins deutsch⸗ 
gewordene Land vor; sie plünderten Zeitz und verwüsteten das 
Kloster Kalbe an der Saale. Die Liutizen empörten sich; durch 
andre Slawen verstärkt, zogen sie gen Westen, zerstörten die 
Bischofssitze Havelberg und Brandenburg, zerrissen die Kirchen 
und warfen das Heilige vor die Hunde. Die Abodriten ver— 
brannten Hamburg unter ihrem christlichen Fürsten Mistui, der 
sogar von einem Kaplan begleitet war. Ja, die Slawen über— 
schritten die Elbe; nur mit Mühe wehrten sich die Sachsen in 
Thietm. 3, 26 S. 64 (Kurze) im Anschluß an Horaz.
	        
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