Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Zweites KRapitel. 
strebungen einer Kirchenreform, vornehmlich von Cluny aus— 
gehend, aufgetreten waren; die alte Kultur des Landes, das 
die kirchliche Ordnung seit Jahrhunderten in sich aufgenommen 
hatte; endlich der neuerliche Verfall gerade der lothringischen 
Klöster, die vielfach in Laienhände geraten waren und darum der 
Gegenwirkung frommer Strömungen doppelt leicht anheimfielen. 
In Niederlothringen war es Gerhard, zuerst Mönch zu 
St. Denys, dann Abt von Brogne, einem Kloster des Lütticher 
Bistums, der unter dem Schutze des flandrischen Grafen 
Arnulf namentlich die Reform der alten flandrischen Abteien 
durchführte. Bedeutender ist die oberlothringische Klosterreform. 
Ihr Begruünder ist Johann von Gorze, ein Romane aus Van⸗ 
diere an der Mosel. Asketisch und schwärmerisch angelegt, 
lernte er in freigewähltem Mönchtum die strenge Richtung des 
französischen Klosterlebens zu Verdun kennen, ging dann nach 
Metz, zunächst in der Absicht, ein Klausner zu sein, ward aber 
schließlich nach weiteren Fahrten in Italien die Seele und 
bald auch das äußere Haupt des Klosters Gorze bei Metz, das 
Bischof Adalbero ihm und einer Reihe verwandter Naturen im 
Jahre 9338 zum Sitze angewiesen hatte. Als Abt von Gorze 
ist er hochbetagt im Jahre 974 gestorben. 
Von Gorze ergoß sich die Reform in die Klöster der Stadt 
und des Bistums Metz, in die Sprengel von Toul und Verdun, 
in die großen Abteien der Ardennen und teilweis Nieder⸗ 
lothringens. Auch Trier ward unmittelbar, soeben auf selb— 
ständigem Wege zu verwandten Reformen begriffen, von ihr 
berührt; ja, bis nach Köln reichten ihre Einflüsse unter der wohl—⸗ 
wollenden Förderung des großen Erzbischofs Brun. Zwischen- 
durch aber reformierten an der Maas und nach Nordfrankreich 
hinüber, gelegentlich auch in Köln, Schottenmönche, die den 
heiteren Sinn irischen Mönchtums wenigstens zum Teil im 
F kontinentaler, namentlich lothringischer Askese gestählt 
atten. 
Rechts des Rheins ward die klösterliche Reform nicht mit 
gleichem Eifer gefördert. Ein Versuch des Mainzer Erzbischofs 
Friedrich J. in den ersten Jahren König Ottos J. schlug zu—
	        
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