Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ottonische Renaissance; Kirchenreform und Universalpolitik. 241 
gierung in Deutschland, sah nichts von Cechen und Elbslawen, 
von Dänen und Westfranken und zog seinem Ideale nach, nach 
Italien. 
Von hier aus hatte inzwischen Papst Gregor V. gezeigt, 
daß er die universale Gewalt seines Amtes keineswegs im Sinne 
einer Unterordnung unter den Kaiser verstand: in Frankreich, 
wie Deutschland, wie Italien hatte er fest durchgegriffen, ein 
nicht unwürdiger Vorgänger Gregors VII. Es war ihm in 
Rom schlecht gelohnt worden. Er war unverstanden geblieben; 
schließlich hatte man ihn 996 verjagt. Nun erschien Otto; 
ein entsetzliches Strafgericht entlud sich über der ewigen Stadt: 
Gregor ward zurückgeführt; doch starb er vorzeitig, im Anfang 
des Jahres 999. 
Otto hatte inzwischen von neuem Berührung mit der 
italienischen Askese gesucht, während ihm die Richtung des 
centralisierten Cluny, obwohl er sich für die italienischen Kloster— 
reformen des cluniacensischen Abtes Odilo erwärmte, nach wie 
vor fern blieb. Die wunderbaren Gestalten der italienischen 
Büßer zogen ihn mächtig an; er wanderte zu Fuß, ein ein— 
facher Pilger, über Monte Cassino und Benevent zum einsamen 
Michaelskloster auf dem Monte Gargano; er besuchte den 
heiligen Nilus zu Gaeta; in Rom unternahm er Bußübungen 
in einer Höhle neben der Kirche des heiligen Clemens; später 
lebte er in Subiaco, dem Ort des heiligen Benediktus. Aber 
nicht dem Vater des Mönchtums galt sein erstes Gedenken; 
vor ihm schwebte traumhaft die Gestalt des früh vollendeten 
kechischen Freundes; hier wie in Rom, wie bei Ravenna und 
später in Achen ließ er Adalbertskirchen errichten. So genoß 
er das asketische Leben mit der plastischen Anempfindung des 
Künstlers; erläßt er doch Urkunden unter dem Ortsdatum der 
Klosterpfalz und redet von sich selbst, dem erhabenen Kaiser, 
als dem Knechte Jesu oder dem Knecht der Apostel. 
Aber mit dem asketischen Ideal verschmolz sich für ihn, 
ein Erbteil der deutschen Renaissance, eine Errungenschaft des 
Umganges mit Gerbert, das eäsarische. Noch bei Lebzeiten 
Gregors V. hatte er die Beförderung Gerberts zum Erzbischof 
Lamprecht, Deutsche Geschichte II. 16
	        
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