Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 251
deutschen Könige im wesentlichen auf die süddeutschen Stämme
begründet, so lag eine analoge Nötigung, sich den Stämmen
des Nordens, den Sachsen wie den Niederlothringern, zu nähern,
für den künftigen Herrscher in nicht mehr so dringlicher Weise
vor. Die Gefahr begann zu drohen, daß die nördlichen Stämme
die Wege eigener Entwickelung gehen würden. Diese Gefahr
hatte sich sogar schon unter den Ottonen für die nördlichsten
Friesen zwischen Weser und Zuidersee gezeigt; jetzt nahm sie
nur zu rasch überhand und führte schon im 11. Jahrhundert
zur halben Entfremdung der Sachsen, zur fast völligen Los⸗
lösung der nördlichsten Lothringer vom Reiche.
Wie Heinrich nun die Sachsen zu fesseln gesucht hatte, so
hat er fast seine ganze Regierungszeit hindurch um die Auf—⸗
rechterhaltung des königlichen Einflusses in Lothringen und vor⸗
nehmlich im Norden des Landes gekämpft. Auch jetzt schon,
nach dem Tage zu Merseburg, lag ihm daran, neben der bald
erreichten Unterwerfung Hermanns von Schwaben vor allem
die Lothringer zu gewinnen. Er berief dazu mit Erfolg einen
Tag der Großen nach Achen; hier ließ er sich nochmals all—
seitig huldigen: in regem collaudatur, in sedem regiam
moreé antecessorum suorum exaltatur et magniscatur?.
Das neue Königtum Heinrichs war damit begründet. Aber
es war — von der Herrschaft über die Bistümer abgesehen —
weit davon entfernt, dem Königtum der guten ottonischen Zeit
noch völlig zu gleichen. Nur mit großen Opfern der Central⸗
zewalt war die Einheit des Reiches wieder gesichert worden:
diele Konsequenzen, welche die der monarchischen Gewalt un⸗
günstige Entwicklung unter den letzten Ottonen nahezulegen
—DV nehmen müssen. Die
Stämme waren freier gestellt als bisher; die Großen hatten
hren Treuschwur nicht geleistet ohne königliche Gegengaben
reichlichster Belehnung; in halbem Bittgang durch das Reich
hatte der König die neue Einheit erwirken müssen.
Es versteht sich, daß, entsprechend diesen Anfängen, die
Thietm. 5, 20 S. 119.