Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 253 
dem er vor allem in Süddeutschland als persönlicher Verkünder 
staatlichen Friedens auftrat. So hielt er im Sommer des 
Jahres 1004 einen Tag in Zürich ab zum Schutze des Friedens; 
später hat er, wohl wiederholt, den schwäbischen und auch den 
sächsischen Adel Frieden schwören lassen, soweit er in gegen— 
seitige Befehdung zu geraten drohte. Es sind vereinzelte Maß— 
regeln, durch die hie und da der König den Frieden herstellt 
und mit feierlichem Eide von neuem bekräftigen läßt. Mit 
den sich auf alle ausnahmslos erstreckenden Landfriedens⸗ 
bestrebungen einer späteren Zeit, besonders Heinrichs IV., 
lassen sie sich noch in keiner Weise vergleichen. Heinrich II. 
hat ferner jene Fürsorge für die niedrigen und die in sozialem 
Aufsteigen befindlichen Stände begründet, die seine salischen 
Nachfolger mit weiterem Erfolge aufnahmen. Indem Ver— 
ordnungen den Verkauf höriger Leute an Juden und Heiden 
verboten, indem sie dem hoffnungsreichen Stande der Dienst— 
mannen, der eben damals in Bildung begriffen war, eine festere 
rechtliche Stellung anwiesen, eröffneten sie eine wahrhaft 
königliche Politik des Schutzes und der Stärkung der sozial 
Schwächeren. 
Aber hier, wie auf anderen Gebieten, zeigen sich unter 
Heinrich II. nur Anfänge. Es sind tastende, wenn auch von 
richtigem politischem Urteil getragene Versuche zu einer erneuten 
inneren Festigung des Reiches. Weit überholt werden sie unter 
dem Nachfolger Heinrichs, Konrad II. Denn ähnlich wie der 
cholerische Otto der Große dem vorsichtigen Heinrich J. so 
folgte der herrisch zugreifende erste Salier dem frommen und 
guten Könige Heinrich II., dem letzten des liudolfingischen 
Geschlechtes. 
II. 
Nach Heinrichs Tode stand das Reich verwaist da; nur 
noch Urenkel Ottos des Großen aus weiblichem Stamme waren 
borhanden, der ältere und der jüngere Konrad, der erste aus 
einer älteren, der zweite aus einer jüngeren Linie, die auf Kon⸗ 
rad den Roten, den fränkischen Konradiner und lothringischen
	        
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