Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 263
anfangs verspottet, bald die Gemüter mit magischer Gewalt
umstrickte. Der Friede galt bald als göttliche Satzung, als
Preuga Dei; unmittelbar vom Himmel sei er aekommen, der
Barmherzigkeit Gottes erfließend.
Offenbar ließ sich diese Institution nicht ohne weiteres nach
Deutschland verpflanzen; der Bischof Gerhard von Cambray
hatte recht, als er sich der Einsetzung des Gottesfriedens in
feinem zum Reiche gehörigen Sprengel mit der Bemerkung
widersetzte, im Reich sorge der König genugsam für Frieden.
Gleichwohl hat Heinrich, der die Wirksamkeit der Treuga Dei
auf romanischem Boden kennen lernte, dadurch angeregt, eine
Art kirchlich gefärbten, wenn auch staatlich veranlaßten Friedens
einzuführen gesucht. Er stellte sich und die Fürsten wiederholt,
namentlich nach großen kriegerischen Erfolgen, unter die Wir—
kungen eines religiös gewährleisteten Friedens, indem er im
Verlaufe einer kirchlichen Feier allen seinen Feinden und Wider⸗
sachern verzieh und dagegen von den Großen das gleiche
Versprechen der Versöhnlichkeit fuür Gegenwart und Zukunft
verlangte. In gewissem Sinne schlossen diese Schritte sich an
ähnliche Vorgänge unter Heinrich II. an“. Aber waren sie
im Beginn der neuen Befestigung des Reiches, unter Heinrich II.,
noch erlaubt und von guter Wirkung gewesen, so konnten sie
als bedenklich erscheinen in einer Zeit, da das Reich Macht
genug besaß, den Frieden im eigenen Bewußtsein geistiger wie
materieller Kraft zu wahren (sog. Constanzer Indulgenz 1048).
Schlimmere Wirkungen rief die religiöse Stellung Hein—
richs auf dem wichtigsten Gebiete der inneren Politik, dem des
gegenseitigen Verhältnisses zwischen weltlichen und geistlichen
Fürsten, hervor. Konrad hatte hier mit gleichem Maße gemessen,
was einer Zurückdrängung der Bischöfe gleichgekommen war. Das
Ergebnis war für die Krone das denkbar vorteilhafteste gewesen.
Nun begann Heinrich die Bischöfe wieder in den Vorder—
grund zu ziehen und freier zu stellen, indem er namentlich,
entsprechend den Forderungen der kirchlichen Reformkreise, jede
Ernennung von Bischöfen von sich aus vermied und auf den
1 VBgl. oben S. 258. Der technische Name war pacis foedus, con-
ꝛordiae foedus. val. Bernos Brief an Heinrich III. 1045, bei Doeberl 3. 6.