Erstes Kapitel.
Kirche und Reich in der ersten Hälfte des
Aften Jahrhunderts.
14.
Kaiser Heinrich II. war von unseren frühen Herrschern
weitaus der gelehrteste. Ursprünglich, nach der Absetzung seines
Vaters vom bairischen Herzogtum, wie wohl auch infolge eines
körperlichen Fehlers zum Kleriker bestimmt, hatte er unter dem
Bischof Wolfgang von Regensburg, dem Apostel der Ungarn,
eine treffliche geistliche Erziehung genossen. Von da blieb ihm
geistiges und religiöses Interesse sein Leben lang. Zwar war
er kein Verächter auch weltlicher Vergnügungen. An seinem
Hofe war, nach dem Bericht wenigstens eines cluniacensischen
Frommen, beständiger Festtag; fahrendes Volk stellte seine Künste
zur Schau, und die Fürsten ergötzten sich gelegentlich an Impro—
visationen etwas urzeitlicher Art, ließen etwa einen mit Honig
bestrichenen Mann von einem Bären ablecken! u. dergl. mehr.
Indes, König Heinrich verharrte in ruhiger Laune, verwies
ein geistlicher Mahner solch unreines Beginnen; er blieb trotz
allem geistlich gesinnt und stellte sich zum religiösen Leben fast
in der Weise eines Klerikers. Streng hielt er die zahlreichen
Vorschriften der kirchlichen Sitte; in unterwürfigen Formen
nahte er sich den Vätern der Kirche; geneigt war er stets zu
gutem Werk in Schenkung und Almosen um so mehr, als die
Natur seiner Ehe Nachkommenschaft versagt hatte.
Vita Popponis Stabulensis c. 12 88. XIL801.
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