306 Siebentes Buch. Erstes Kapitel.
selbst den Römern allzu lasterhaft erschien, Benedikt IX. Gegen
Schluß des Jahres 1044 ward er verjagt; an seiner Stelle
wählte man nach mannigfachem Aufruhr im Februar 1045 den
Bischof Johann von S. Sabina unter dem Namen Silvesters III.
Johann war reich; seine Mittel erhielten ihn fast zwei Monate
auf dem päpstlichen Throne. Dann war man in Rom seiner
überdrüssig und berief Benedikt IX. zurück. Benedikt aber
verkaufte das Papsttum um 1000 Pfund Silbers an den Erz⸗
priester Johannes Gratianus, nun Gregor VI. genannt, doch
ohne nachträglich selbst zu verzichten. So gab es drei Päpste
auf einmal; zu gleicher Zeit sollen sie gelegentlich in Rom
residiert haben: ein greuliches Schisma zerriß die Kirche.
Doch der Ausweg schien gegeben. Von den drei Päpsten
erfreute sich Gregor VI. eines guten Rufes; die strenge Rich—
tung war erbaut, ihn als Papst zu sehen; Pier Damiani, das
Haupt der italienischen Askese, begrüßte den Anfang seines
Pontifikats als die Bürgschaft besserer Zeiten, und der furcht—
bare Mönch Hildebrand vom Kloster des Aventin, der nach⸗
malige Gregor VII., trat in seine Dienste. Die Reformpartei
wußte wohl, wie zu helfen sei; einmal an dem Schicksal des
Papsttums beteiligt, doch noch ohne äußere Macht, rief sie den
frommen Kaiser Heinrich, den neuen Konstantin, den wider—⸗
erstandenen Goliathbesieger David, zu Hilfe.
Heinrich zog im September 1046 nach Italien. Er er—
öffnete sich die Lombardei für den Augenblick leicht, nachdem
er sich in den dortigen sozialen Wirren, entgegen der Politik
seines Vaters, ganz auf seiten des Klerus gestellt hatte, wie
diesen Erzbischof Aribert von Mailand vertrat; auch sonst fand
er keine Schwierigkeit.
So konnte er sich um so mehr den geistlichen Dingen
widmen. Schon Ende Oktober 1046 ward zu Pavia eine
Synode für das Heil der Kirche abgehalten, die von Bischöfen
aus allen Teilen des Reiches besucht war; sie verbot die Si—
monie im Sinne des Handels mit geistlichen Amtern bei Bann
und Amtsentlassung. Dann folgte, am 20. Dezember 1046,
eine Synode zu Sutri, am 28. Dezember eine Synode zu Rom: