KRirche und Reich in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts. 309
Schon im Herbst des Jahres 1049 hielt er eine Synode
in Reims ab zur Hebung des päpstlichen Ansehens auch in
Frankreich. Da sie von Bischöfen wenig, um so mehr aber
von reformfreundlichen AÄbten besucht war, so ermöglichte sie eine
sehr deutliche, ja schroffe Verkündung des Reformprogramms:
die Priesterehen wurden verdammt, wie jede Form des Nikolai—
tismus überhaupt, und besprochen wurde auch schon die un—
kanonische Form der üblichen Besetzung der geistlichen Amter.
Gleichwohl nahm Kaiser Heinrich den Papst mit größter Be—
geisterung auf, als er von Frankreich her nach Deutschland
gelangte, und ein großes Reformkonzil zu Mainz am 19. Ok—
tober 1049 verdammte auch auf deutschem Boden Simonie und
Nikolaitismus.
Von Deutschland ging Leo IX. nach Italien zurück. Und
sofort begann er in einer Weise in die unteritalienischen Dinge
einzugreifen, die nur den einen Zweck haben konnte, das
Papsttum dem Kaisertum gegenüber politisch unabhängig zu
stellen: eine Wendung von der allergrößesten Bedeutung stand
damit bevor.
In Unteritalien war durch die Anordnungen Kaiser Heinrichs
vom Jahre 1047 der ganze Ehrgeiz der Normannen entfesselt
worden. Weit entfernt, Ruhe zu halten, versuchten sie die
Griechen, nachdem sie Apulien erobert, nun auch aus Kalabrien
zu verdrängen. Sie betrieben aber diese neue Fehde so grau—
sam, daß die Bevölkerung unendlich litt und seufzend nach einem
Retter ausschaute. Hier griff der Papst ein. Als Kirchenfürst,
in Vertretung gleichsam des fernen Kaisers, bereiste er das
hedrückte Land und predigte Milde, nahm aber zugleich eine
Reihe von Orten, die sich seiner Meinung fügten, in seine
und des Kaisers Dienste, ja belagerte und bannte die Stadt
Benevent, bis sie sich ihm ergab und huldigte: ein päpstlicher
Besitz in Unteritalien schien über Nacht zu entstehen.
Freilich trat sofort die Frage auf, ob er durch bloß mora⸗
lische Mittel würde aufrecht zu erhalten sein: und normannische
Angriffe verneinten sie. Da entschloß sich der Papst zur Auf⸗
stellung eines eigenen Söldnerheeres; entsetzt mußte Damiani