Kirche und Reich in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts. 311
das Verbot der Simonie und Priesterehe auf und begann es
durch Einzelmaßregeln in die Praxis zu übersetzen. Darauf
verlieh der Kaiser dem Papste eine Menge bisher streitiger
Grundherrschaften, übertrug ihm — zunächst nur persönlich —
das Herzogtum Spoleto und die Markgrafschaft Fermo, er—⸗
nannte ihn zum Statthalter Italiens und traf Einleitungen
zu einer süditalienischen Politik, die wohl schließlich im Sinne
des Papsttums verlaufen sein würde, — als er nach Deutsch⸗
land abberufen ward, einem frühen Tode entgegen. Er starb,
neununddreißigjährig, am 5. Oktober 1056.
Heinrich III. hat keinen Biographen gefunden, der ihn der
Nachwelt charakterisiert hätte. Aber bei der typischen Ge⸗
bundenheit der litterarischen Porträts seiner Zeit ist der Ver—
lust zu verschmerzen: seine Werke selbst zeigen, was Heinrich
war. Bei allen glorreichen Waffenthaten früher und später
muß er doch dem Friedensideale der Zeit besonders entsprochen
haben: als ein großer Friedefürst hat er namentlich in der
Kirche geherrscht, und noch wagte keiner, seine Macht energischer
anzutasten. Trotz aller Reformfreundlichkeit ist Leo IX. dem
Kaiser überall zu Willen gewesen. Aber die Widersprüche gegen
die kaiserliche Politik sind schon jetzt vorhanden. Sie bedürfen
nur großer Personen, um entfesselt zu werden. In seinen
späteren Jahren hat Heinrich auch sonst mit vielen Feinden zu
ringen gehabt: er wurde trotz aller Gaben und Erfolge immer
weniger populär und immer einsamer.
Dem Kaiser Heinrich hatte seine Gemahlin Agnes am
II. November 1050 einen Sohn Heinrich geboren, der dreijährig
bon den Großen zum König gewählt und in Achen gekrönt
worden war. Er war nun Erbe des Reichs und der Schwierig—
keiten, darin es sich befand.
Nun hatte allerdings Kaiser Heinrich seinem jungen Sohne
vorzuarbeiten gesucht. Noch auf dem Totenbette hatte er sich
mit seinem größten Gegner unter den Laienfürsten, Gottfried