316 Siebentes Buch. Erstes Kapitel.
gleichsam unumschränkt verfügte, versuchte er seine Finanzen
zu bessern, indem er beim König die Einverleibung der fetten
Reichsabteien Korvey und Lorsch in sein Bistum beantragte.
Um aber dem Schritte das Gehässige eines Versuchs persön—
licher Bereicherung zu nehmen, vermochte er den König zu einer
allgemeinen Maßregel, wonach auch andere Bischöfe, ja welt⸗
liche Große gegen ein Dutzend großer Reichsabteien er—
halten sollten. Es war die schamloseste Verschleuderung von
Reichsgut, die jemals geplant worden ist: zur Befriedigung
rein persönlicher Bedürfnisse eines königlichen Günstlings.
Heinrich vollzog die notwendigen Urkunden, nach seiner
späteren Finanzpolitik zu schließen, mit Widerwillen, am 6. Sep⸗
tember 10605: und nun ergossen sich von allen Seiten bischöf—
liche und herzogliche Streitkräfte gegen die alten Reichsabteien,
die Sitze einer für das Reichsheer äußerst wichtigen Dienst—
mannschaft, die fast unerschöpflichen Bronnen der königlichen
Finanzen. In der That gelang es den meisten Bewidmeten,
sich in den Besitz ihres Raubes zu bringen. Nur der Erz—
bischof Adalbert hatte keinen Erfolg. Unter dem Vorschub des
allgemeinen Hasses, den er auf sich geladen, wagten der die
Vogteirechte wahrnehmende Herzog Otto für Korvey und in
Lorsch die Dienstmannen und der Stiftsadel offenen Widerstand
gegen den Bremer Bischof und die königlichen Briefe.
Es war die Peripetie in der glänzenden Laufbahn Adal—
berts. Mächtig erhoben sich seine fürstlichen Feinde unter der
ihnen günstigen Wendung der öffentlichen Meinung, vor allem
die Erzbischͤsfe Anno von Köln und Siegfried von Mainz wie
die süddeutschen Herzöge; auf einem Reichstage zu Tribur,
Januar 1066, forderten sie den König auf, den Erzbischof zu
entlassen.
Dem König blieb nach einem vereitelten Fluchtversuch nichts
übrig, als sich dem Zwang zu fügen; Adalbert ging vom Hofe.
Seitdem war der König selbständiger als bisher. Als er
nun aber, wenn auch noch von bischöflichen Veratern und fürst—
lichen Versammlungen vielfach in seinem Thun beschränkt, klarer
zu sehen begann, fand er seine Herrschaft in einer weitaus